Was sind die wesentlichen Unterschiede zwischen einer 3D-Mammographie oder Tomosythese und der konventionellen Brustkrebs-Früherkennung?

Prinzipiell ist der Ablauf einer Tomosynthese im Vergleich zur gängigen Mammographie derselbe. Eine große Differenz besteht aber in der Bildberechnung. Bei der 3D-Methode wird die Röntgenröhre bogenförmig über die Brust geführt, während sich der Detektor virtuell gegensinnig bewegt. Dabei werden 15 Aufnahmen mit ganz niedriger Dosis angefertigt. Aus diesem wird ein 3-D Datensatz errechnet. Aus diesem Datensatz werden je nach Brustvolumen pro Seite ca. 40 bis 100 Schichtbilder errechnet. Mit diesen Schichtaufnahmen wird die Brust weitgehend überlagerungsfrei dargestellt. Bei der konventionellen Mammographie hat man nur zwei Bilder pro Seite zur Verfügung.

Da man sich bei der Tomosynthese Millimeterschichten des Brustgewebes ansieht, braucht es auch weniger Druck. Für einen optimalen 3D-Bild-Datensatz wäre es kontraproduktiv, wenn man die Schichten ineinander presst. Weniger Druck heißt demnach auch weniger Schmerz. Deswegen wird diese Anwendung auch als erheblich angenehmer empfunden als die gängige Früherkennungsuntersuchung, auch wenn sie vier Sekunden länger dauert.

Zudem ist die Strahlendosis wesentlich geringer als bei der digitalen Speicherfolien Mammographie und etwa gleich wie bei der Detektormammographie. Aus dem 3D-Datensatz wird auch das zweidimensionales Übersichtsbild errechnet.

Welche Vorteile der Tomosynthese lassen sich auch diagnostisch belegen?

Neben der geringen Strahlenbelastung und dem niedrigeren Kompressionsdruck werden rund ein Drittel mehr Karzinome im Vergleich zur gängigen Mammographie-Untersuchung entdeckt. Bei der Betrachtung von Millimeterschichten werden Tumorausdehnungen sowie Ränder und Formen eines Knotens wesentlich genauer abgebildet. Und je kleiner ein Tumor ist, desto besser kann er behandelt werden.

Außerdem verringerten sich die falschen positiven Befunde um bis zu 17 Prozent. Bei einer Studie in Amerika mit 450.000 Frauen kam es erheblich seltener zu einem Krebsverdacht, der nach weiteren Tests nicht bestätigt wurde. Dies bedeutet nicht nur weniger unnötige Zusatzuntersuchungen oder Biopsien, sondern auch eine geringere psychische Belastung für die Patientinnen. Somit sinken auch die damit verbundenen Therapieerfordernisse.

Insgesamt kann gesagt werden, dass die diagnostische Sicherheit der Tomosynthese der bisherigen Mammographie um zumindest 50 Prozent überlegen ist.

Gibt es auch Nachteile bei diesem neuen Verfahren?

Die Geräte für eine 3D-Mammographie sind zum einen teurer in der Anschaffung und Wartung. Zum anderen braucht es aufgrund der bis zu 200 Aufnahmen pro Brustseite länger für die Befundung. Außerdem benötigt die Tomosynthese enorm viel Speicherplatz. Die beiden Punkte sind aber vorwiegend Probleme der Radiologen und weniger der Patientinnen. Letztendlich muss aber dieser Mehraufwand mit den Sozialversicherungen noch verhandelt werden. Zurzeit gibt es in Wien ungefähr fünf bis sechs Geräte. Die Majorität der Radiologen verwendet deshalb noch die digitale 2-D Mammographie.

Wem würden sie dieses 3D-Verfahren gegenüber der konventionellen Mammographie-Untersuchung empfehlen?

Ich würde jeder Patientin die Tomosynthese anraten. Da die 3-D Mammographie der 2-D Mammographie um zumindest 50 Prozent in der diagnostischen Sicherheit überlegen ist, könnte ich die diagnostisch schlechtere Untersuchung ethisch nicht mehr rechtfertigen. Außerdem bringt die 3D-Mammographie ja auch einen Vorteil für das Sozialversicherungssystem, denn durch eine frühere Erkennung von bösartigen Tumoren können auch Folgekosten eingespart werden.

Dafür müssten aber die Einladungen für die Vorsorgemammographie auch angenommen werden, die die Sozialversicherung alle zwei Jahre an Frauen zwischen 45 und 69 Jahren versendet. Zurzeit tun dies leider nur ca. 40-45 Prozent dieser Zielgruppe. Angestrebt wären aber zumindest 70 Prozent.