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Ja zum Leben sagen

FOTOS: © ANDREA STREIT

Die Diagnose Brustkrebs ist oft ein schwerer Schicksalsschlag und zusätzlich eine Belastung für das weibliche Selbstwertgefühl. Je nach Stadium der Erkrankung muss teilweise sogar die gesamte Brust amputiert werden, die aber nach erfolgreicher Therapie wieder aufgebaut werden kann. Bianca Schuster (41) war so ein Fall. Sie gewann nicht nur den Kampf gegen Krebs, sondern auch ein ganz neues Leben.

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Bianca Schuster

war 37 und Mutter von zwei kleinen Kindern, als sie im Jänner 2010 die Diagnose Brustkrebs bekam. Die gesamte Therapie, inklusive Entfernung der Gebärmutter samt Eierstöcke dauerte knapp ein Jahr. Die Bestätigung, dass sie gesund ist, bekam sie am 19. Februar 2011 – dem Geburtstag ihrer Mutter. Sie ist gelernte Bürokauffrau und Visagistin, und ist seit 2014 selbstständig im Bereich Gesundheitsprävention tätig.

Was waren Ihre ersten Verdachtsmomente, dass etwas nicht stimmt?

Ich habe meine kleine Tochter, damals ein Jahr alt, noch gestillt, als mir Verhärtungen in der rechten Brust aufgefallen sind. Kurz zuvor hatte ich eine gynäkologische Untersuchung, wo aber alles in Ordnung war. Ich spürte zwar keine Schmerzen, aber ich habe meinem Arzt davon erzählt. Im ersten Röntgen wurden zwar Verkapselungen festgestellt, aber mein Arzt wollte auf Nummer sicher gehen und diese operativ entfernen. Ich bin familiär vorbelastet, denn meine Mama ist mit 53 Jahren an Gebärmutterkrebs gestorben. Als ich aus der Narkose aufwachte, stand mein Arzt vor mir, geknickt und fast den Tränen nahe, denn die Verkapselungen waren zwei große, bösartige Karzinome. Es war ein Schock – Diagnose Brustkrebs. Nachdem ich wieder einen klaren Gedanken fassen konnte, habe ich ihm nur eine Frage gestellt: Werde ich wieder gesund?
Und seine Antwort war „Ja“. Ich hatte vollstes Vertrauen zu ihm und wusste, dass ich in guten Händen bin. Damit ich dieses Ziel so schnell wie als möglich erreichen konnte, haben wir gemeinsam umgehend die Therapie geplant und umgesetzt.

Was waren die ersten Schritte in der Therapie?

Zuerst wurde festgestellt, ob andere Organe befallen waren, aber ich hatte großes Glück und war noch ohne Metastasen. Trotzdem bekam ich eine Chemotherapie, die mir in sechs Tranchen alle drei Wochen verabreicht wurde. Obwohl es den Körper sehr belastete, verspürte ich außer einer starken Müdigkeit, keine Übelkeit oder andere Beschwerden. Zu Beginn der Therapie hatte ich lange, schöne Haare, die kurz nach der ersten Charge der Chemotherapie von meinem Kopf gerieselt sind. Ich wollte keine kahlen Stellen auf meinem Kopf und ließ mir die Haare schweren Herzens abrasieren. Anfangs trug ich eine Perücke bis meine Haare wieder begannen nachzuwachsen. Meine zwei kleinen Kinder waren auf mich angewiesen und da ich keine Schmerzen hatte, verlief mein Alltag völlig normal. Kurz nach Beendigung der gesamten Chemotherapie folgte dann der operative Eingriff zur Brustamputation, wobei gleichzeitig auch die Brustrekonstruktion vorgenommen wurde.

Wie verlief die Rekonstruktion und was waren ihre ersten Gedanken, als Sie ihre neue Brust sahen?

Obwohl nur die rechte Brust betroffen war, habe ich beide Brüste entfernen lassen, um einem weiteren Risiko vorzubeugen. Das gesamte Brustgewebe wurde entfernt und ich habe mich für eine Rekonstruktion mit einer Silikon-Prothese entschieden. Meine Brustwarzen konnten wieder eingesetzt werden, da sie nicht befallen waren. Allerdings hatte ich vor der Operation einen sehr großen Busen, der mich teilweise sehr belastet hat. Ich wollte keinen weiteren Ballast und habe mich für kleinere Implantate entschieden. Als nach der Operation der Verband abgenommen wurde, war der Anblick ungewohnt, aber nie fremd. Zu Beginn waren sie noch taub, aber mittlerweile kann ich Berührungen fühlen. Durch meine kleinere Brust genieße ich ein ganz anderes Lebensgefühl. Es ist sehr schön, mehr Sport mit meinen Kindern zu betreiben oder auch plötzlich Kleidung zu tragen, die ich zuvor nie anziehen konnte.

Woraus haben Sie in dieser schwierigen Zeit ihre Kraft geschöpft?

Ziele und Perspektiven sind sehr wichtig, um die Kraft für den Weg zu finden. In meinem Fall waren es die Kinder, denn sie waren so klein und ich wollte sie noch lange begleiten. Als meine Mama gestorben ist, war diese Endgültigkeit, sie nie wieder zu sehen, sehr schwierig für mich zu ertragen. Sie hat alles versucht, aber es war einfach zu spät. Ich hatte großes Glück, denn bei mir wurde der Krebs in einem sehr frühen Stadium erkannt. Aufgeben war nie eine Alternative für mich. Da ich bereits zwei Kinder hatte und die Familienplanung abgeschlossen war, ließ ich in einer weiteren Operation auch meine Gebärmutter samt Eierstöcken entfernen. Obwohl ich mittlerweile geschieden bin und in einer neuen Beziehung lebe, bereue ich es nicht. Ich hatte den Tod vor Augen und habe mich für das Leben entschieden. Am Morgen aufzuwachen und weiterleben zu dürfen, ist für mich ein großes Glück, für das ich jeden Tag dankbar bin.

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