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Kurzzusammenfassung des Interviews mit Prim. Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Gabriel

Univ.-Prof. Dr. Michael Gabriel, Vorstand des Instituts für Nuklearmedizin und Endokrinologie am Keplerklinikum Linz

Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Gabriel

© ZVG

Vorstand des Instituts für Nuklearmedizin und Endokrinologie am Keplerklinikum Linz

Was ist Theranostik?

Theranostik ist ein Kunstwort aus „Therapie“ und „Diagnostik“. Es beschreibt ein Verfahren, bei dem radioaktive Substanzen sowohl zur Diagnose als auch zur Behandlung von Tumoren eingesetzt werden. Die Methode stammt ursprünglich aus der Behandlung von Schilddrüsenkrebs, wo sie seit Jahrzehnten erfolgreich eingesetzt wird. Heute wird sie zunehmend auch bei anderen Krebsarten wie Leber-, Nieren- oder gynäkologischen Tumoren erforscht – und ganz besonders beim Prostatakarzinom.

Wie funktioniert das Verfahren?

Die Theranostik nutzt das sogenannte „Schlüssel-Schloss-Prinzip“: Eine radioaktive Substanz wird an ein Molekül gekoppelt, das gezielt an Tumorzellen bindet. Für die Diagnose wird meist das Isotop Gallium-68 verwendet. Es macht selbst kleinste Tumorherde im Körper sichtbar – mithilfe der PET/CT Bildgebung. So können Metastasen frühzeitig erkannt werden, was für den Therapieerfolg entscheidend ist.

Ist Strahlung nicht gefährlich?

Ein berechtigter Gedanke – doch in der Medizin wird Strahlung unter streng kontrollierten Bedingungen eingesetzt. Im Gegensatz zur Chemotherapie, bei der Zytostatika den ganzen Körper belasten, wirkt die Strahlung bei der Theranostik gezielt, sowie lokal und zeitlich begrenzt. Wichtig ist, dass Patient:innen während der Behandlung klar definierte Kontaktbeschränkungen mit Personen in ihrem Umfeld, insbesondere mit Kindern und Schwangeren, einhalten. Diese Therapieformen haben sich in klinischen Studien als sicher und gut verträglich erwiesen. Ihre Anwendung gilt als medizinisch gut kontrollierbar.

Was unterscheidet Theranostik von klassischer Strahlentherapie?

Während bei der klassischen Strahlentherapie Tumore von außen bestrahlt werden, wirkt die Theranostik von innen. Die radioaktive Substanz wird in den Körper injiziert, reichert sich gezielt im Tumorgewebe an und entfaltet dort ihre Wirkung. Das ermöglicht die gleichzeitige Behandlung mehrerer Tumorherde – ein großer Vorteil bei fortgeschrittenem Krebs.

Warum ist das besonders für Männer mit Prostatakrebs relevant?

Prostatakrebs ist die häufigste Krebserkrankung bei Männern in Österreich – rund 7.000 Männer erhalten jährlich diese Diagnose. Besonders für Patienten im fortgeschrittenen Stadium, bei denen sich bereits Metastasen gebildet haben und herkömmliche Therapien nicht mehr wirken, bietet die Theranostik eine zusätzliche Behandlungsoption.

Wie läuft die Behandlung konkret ab?

Zunächst wird das sogenannte PSMA (prostataspezifisches Membranantigen) mit dem Radioisotop Gallium-68 markiert und per PET/CT sichtbar gemacht. Für die Therapie kommt dann Lutetium-177 zum Einsatz – ein Isotop, das gezielt Strahlung an die Tumorzellen abgibt. Die Strahlung zerstört die Krebszellen, ohne das umliegende Gewebe stark zu belasten. Studien zeigen: Die Methode senkt den PSA-Wert effektiv und verlängert die Überlebenszeit bei einem verträglichen Nebenwirkungsprofil.

Welche Vorteile bringt das für die Patienten?

  • Früherkennung und präzise Diagnose: Selbst kleinste Metastasen können in der Bildgebung sichtbar gemacht werden.
  • Gezielte Therapie: Die Strahlung wirkt vorwiegend dort, wo sie gebraucht wird.
  • Bekanntes Nebenwirkungsprofil
  • Erhalt der Lebensqualität
  • Auch für ältere Patient:innen geeignet

Fazit

Theranostik ist ein Meilenstein in der modernen Krebsmedizin. Sie bietet Männern mit fortgeschrittenem Prostatakrebs eine zusätzliche Behandlungsoption bei Erhalt der Lebensqualität.

Das gesamte Interview mit Univ.-Prof. Mag. Dr. Michael Gabriel finden Sie hier:

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