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Personalisierte Behandlung hilft Patienten

Doctor (obstetrician, gynecologist or psychiatrist) consulting and diagnostic examining female patient's on woman’s obstetric - gynecological health in medical clinic or hospital healthcare service center
Doctor (obstetrician, gynecologist or psychiatrist) consulting and diagnostic examining female patient's on woman’s obstetric - gynecological health in medical clinic or hospital healthcare service center
iStock/Chinnapong

Die personalisierte Therapie hilft den Erfolg in der Behandlung zu verbessern.

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Prof. Dr. Werner Scheithauer

Klinische Abteilung für Onkologie, Universitätsklinik für Innere Medizin I der MedUniWien

Beim Dickdarmkrebs handelt es sich um einen der weltweit am häufigsten auftretenden bösartigen Tumoren, der in der Schleimhaut des Dickdarms entsteht. Die überwiegende Mehrzahl dieser Tumoren entsteht über Adenome (Polypen).

Chronische Darmentzündungen, Bewegungsmangel, eine ungesunde, fettreiche, ballaststoffarme Ernährung, das daraus resultierende Übergewicht sowie Rauchen und Alkoholkonsum begünstigen das Entstehen dieser Tumoren“, erläutert Professor Dr. Werner Scheithauer von der klinische Abteilung für Onkologie der Universitätsklinik für Innere Medizin I der Medizinischen Universität Wien.

Personalisierte Medizin

„Heute sprechen wir in der Krebstherapie von der sogenannten personalisierten Medizin“, führt Professor Scheithauer aus. Diese Behandlungsmethode ist aus der grundsätzlichen Erkenntnis heraus entwickelt worden, dass selbst bei gleicher Diagnose, nicht alle Menschen gleich auf eine standardisierte Therapieform ansprechen und dass viele sehr individuelle Faktoren sowohl des Tumors als auch des Patienten die Wirkweise von Medikamenten beeinflussen.  Körpergewicht, Alter, aber auch Nieren- und Leberfunktionen spielen dabei eine Rolle.

„Die personalisierte Medizin – manche Kollegen sprechen auch von einer individuellen Behandlung – richtet sich nach Art und Stadium der Krebserkrankung, sowie Tumorwachstums- und Patientencharakteristika. Neuerdings werden Therapieentscheidungen auch abhängig von bestimmten molekularen Tumorzellcharakteristika, sogenannten Biomarkern, getroffen. Biomarker sind bestimmte Substanzen im Körper oder auch Eigenschaften von Zellen, die objektiv gemessen werden können. Meist erfolgt dies durch einen relativ simplen Test, zum Beispiel aus einer Blut- oder Gewebeprobe. 

Grundsätzlich unterscheidet man prognostische und prädiktive Marker, wobei erstere unabhängig von einer Therapie über Krankheitsverlauf und Prognose des Patienten Auskunft geben und letztere die Wahrscheinlichkeit des Ansprechens auf bestimmte definierte Therapieformen vorhersagen können. 

Kosten senken und Lebensqualität erhöhen

Der Einsatz der personalisierten Medizin soll auch die Kosten im Gesundheitswesen senken. Da einige Krebsmedikamente sehr teuer sind, sollen diese „nicht mit der Gießkanne“, sondern passend zu den entsprechenden Biomarkerprofilen eingesetzt werden. Neben den Kostenfaktoren, die die Gesundheitsökonomen im Blickfeld haben, ist es in erster Linie das Wohl des Patienten, das die Mediziner anfokussiert haben. Professor Scheithauer sagt dazu: „Die personalisierte Krebstherapie verbessert den Erfolg und erspart den Patienten aufwendige und unnötige sowie den Körper belastende Behandlungen. So können wir die Dauer der Therapie verkürzen und zudem die Lebensqualität der Patienten wesentlich verbessern.

Medikamente hemmen Wachstum des Tumors

Zur Behandlung von Darmkrebs werden heute nebst konventionellen Chemotherapeutika zielgerichtete Antikörper, z.B. Anti-epidermale Wachstumsfaktoren (Anti-EGFR Medikamente) eingesetzt, die das Tumorwachstum zu hemmen vermögen. „Ein Tumor wächst nur dann, wenn er durch Rezeptoren, die sich an seiner Oberfläche befinden, Wachstumssignale empfängt. An sie lagern sich Botenstoffe an, die das Signal „Epidermales Wachstum“ an den Zellkern weitergeben“, erläutert Scheithauer im Mediaplanet-Gespräch. „Genau dieses Signal vermögen nun die neuen Anti-EGFR´s zu stören, wodurch  sich das Tumorwachstum verringert oder vollständig gehemmt wird.“

Vorsorge

Doch soweit müsste es bei vielen Patienten gar nicht kommen, meint Professor Scheithauer abschließend. Durch eine rechtzeitige Vorsorge und durch die Optimierung der Lebensweise könnte man das individuelle Darmkrebsrisikos um mehr als 70 Prozent reduzieren.

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