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Höhere Lebensqualität dank Misteltherapie

Mistletoe medical therapy background
Mistletoe medical therapy background
iStock/Santje09

Der Leiter der Komplementären Ambulanz für Krebserkrankungen in der Frauenheilkunde, Univ.-Ass. Prof. Dr. Leo Auerbach, erklärt die Wirkungsweise der Misteltherapie und warum sie KrebspatientInnen dabei helfen kann, die Lebensqualität zu steigern.

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Univ.-Ass. Prof. Dr. Leo Auerbach

Leiter der Komplementären Ambulanz für Krebserkrankungen in der Frauenheilkunde

Was muss ich mir grundsätzlich unter der Misteltherapie vorstellen?

Die Mistelpflanze ist ein Halbparasit, der kugelförmig auf Bäumen wächst und zur Heilung von verschiedenen Erkrankungen schon seit vielen tausend Jahren verwendet wird. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts wird diese Pflanze im Rahmen der Anthroposophie von Rudolf Steiner bei Krebserkrankungen eingesetzt.

Was passiert bei dieser Misteltherapie im Körper?

Wir wissen heute, dass die wesentlichen Bestandteile der Misteltherapie die Mistellektine und die Misteltoxine sind. Diese Substanzen, und das ist sowohl in medizinischen Versuchsreihen wie auch in wissenschaftlichen Studien nachgewiesen, bewirken eine Zerstörung von Krebszellen und gleichzeitig eine körpereigene Immunstimulation. Dadurch wird das Immunsystem aktiviert und kann so aktiv gegen die Krebserkrankung auftreten und vorgehen.

Also wird die Misteltherapie zusätzlich zu einer Strahlen- oder Chemotherapie eingesetzt?

Die Misteltherapie kann im Prinzip auch präventiv eingesetzt werden. Meistens findet sie aber während einer Krebserkrankung begleitend zur herkömmlichen, schulmedizinischen Behandlung statt. Also komplementär und nicht alternativ. Mit der Misteltherapie gelingt es nämlich auch, die Nebenwirkungen der Chemotherapie zu reduzieren und die körpereigene Aktivität zu steigern. Sie verbessert auch die Rehabilitation nach den Therapien. Und sie kann auch als Langzeittherapie bis zu fünf Jahre als Prophyaxe eingesetzt werden.

Bei meinen Recherchen zur Misteltherapie bin ich auf unterschiedliche Wirtsbäume gestoßen. Warum wird da unterschieden?

Die Mistel wächst ja auf unterschiedlichen Bäumen und je nach Wirtsbaum hat die Mistel eine unterschiedliche Stärke ihrer Wirkstoffe. Misteln vom Wirtsbaum Tanne sind beispielsweise sehr gut geeignet für alle, die gerade mitten in einer Chemotherapie stecken. Während die Mistel vom Wirtsbaum Apfel eine deutlich stärkere Wirkung hat und besser außerhalb der Chemotherapie eingesetzt werden sollte.

Aber präventiv ist die Misteltherapie nicht sinnvoll, oder?

Dazu gibt es zumindest wissenschaftliche Überlegungen. Mit der besten Wirkung kommt die Misteltherapie aber während und nach der Chemotherapie zum Einsatz, da ist sie zumindest am besten untersucht und erforscht.

Wie häufig wird die Misteltherapie eigentlich eingesetzt?

Sie ist sicher die am häufigsten verschriebene Komplementärtherapie bei Krebserkrankungen im europäischen Raum. Und sie ist auch die wissenschaftlich am besten dokumentierte Komplementärtherapie. Wir gehen davon aus, dass etwa 50 bis 70 Prozent aller Krebserkrankten mit der Misteltherapie zumindest einmal in Berührung kommen.

Gibt es denn auch Nebenwirkungen?

Aufgrund der wissenschaftlichen Daten sind auch Informationen über Nebenwirkungen vorhanden, ja. Bei starken Allergien und vor allem bei Autoimmunerkrankungen wie etwa Morbus Chron sollte man sie beispielsweise gar nicht einsetzen. Während der Therapie kann die Körpertemperatur bis zu einem halben Grad steigen. Auch starke Hautrötungen sind möglich. Aber diese Nebenwirkungen verschwinden in der Regel nach einiger Zeit wieder. 

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