Neue Medikamente für die Krebstherapie

Univ. Prof. Dr.Dr.h.c. Christoph Zielinski
Vorstand der Klinik für Innere Medizin I, Leiter der Klinischen Abt. für Onkologie - Medizinische Universität Wien

In den letzten Jahren haben neu entwickelte Medikamente, die alle aus wissenschaftlichen Untersuchungen im Labor hervorgegangen sind, zu einer Revolution in der Krebstherapie geführt. Solche innovativen Medikamente zielen auf Strukturen der Krebszelle ab, die sehr individuell von Tumor zu Tumor oder auch von Tumorzelle zu Tumorzelle vorhanden sein können. Je nach ihrer Charakteristik können dann diese Medikamente eine deutlich bessere Wirkung als die bisher gängigen Therapieformen entfalten. 

 

Früherkennung von Krebs

Von besonderer Bedeutung ist für PatientInnen aber ohne Frage die Möglichkeit, Krebserkrankungen zu vermeiden oder in einem Stadium zu erkennen, da sie noch als völlig heilbar gelten. Wenn sie dies jedoch nicht sind, so muss häufig (wenn auch nicht in allen Fällen) eine zusätzliche Therapie angewendet werden, um versprengte Tumorzellen nach der chirurgischen Entfernung des Haupttumors unter Kontrolle zu bringen und damit PatientInnen ein längeres oder gar langes Überleben der Krebserkrankung zu ermöglichen. Doch bereits hier stellt sich ein völlig neuer Aspekt dar, der bis vor wenigen Jahren unbekannt war und die Therapie von vielen Krebserkrankungen durchaus revolutioniert hat. 

Personalisierte Medizin 

Dieser Aspekt beinhaltet die Erkenntnis, dass an einem anatomisch definierten Ort biologisch durchaus unterschiedliche Krebserkrankungen entstehen können, die sich in ihrer Wachstumstendenz, ihrer Befähigung zur Ausbreitung über den Organismus und letztlich ihrem Ansprechen auf unterschiedliche Therapien unterscheiden. So können beispielsweise der Brustkrebs, aber auch der Lungenkrebs als solche Erkrankungen zitiert werden, die höchst unterschiedlichen, auf die jeweilige Biologie angepassten Therapien zu unterziehen sind und bei Vorhandensein bestimmter Charakteristika auf solche gezielten Therapiearten besonders gut ansprechen. Dieses Vorgehen, das in den letzten Jahren unter dem Titel personalisierte Medizin Eingang in die wissenschaftliche Presse, aber auch in die Medien gefunden hat, stellt das Ziel unserer wissenschaftlichen und in letzter Konsequenz therapeutischen Bemühungen dar. 

 

„Wir stehen am Beginn einer Ära, an deren Ende -wie wir hoffen- Krebs als chronische Erkrankung stehen wird.“

 

Tumorspezifische Therapie 

Während bei manchen Tumoren solche unterschiedlichen Therapieansätze bereits gang und gäbe sind, ist dies bei anderen Krebsformen deutlich weniger der Fall: In dieser Ausgabe finden Sie zwei solcher unterschiedlichen Erkrankungsformen, die sich in unserer Auffassung von ihrem Ansprechen auf personalisierte Diagnose - und Therapiemodalitäten unterscheiden. Während beim Brustkrebs sehr verschiedene, je nach der Biologie des Tumors zur Verfügung stehende Therapien Verwendung finden, ist dies bei einem Dickdarmkarzinom beispielsweise erst in Ansätzen der Fall. Brustkrebs ist zu einem Beispiel für längeres und langes Überleben und für Leben mit Krebs geworden, während durch neue und gezielte Therapieformen der auch fortgeschrittene Dickdarmkrebs deutlich besser als früher und mit deutlich besseren Aussichten therapiert werden kann. 

Somit besteht kein Zweifel, dass das Dreigestirn Forschung – Früherkennung – Therapie zu einer deutlichen Verbesserung der Ergebnisse bei Krebserkrankungen geführt hat.