Die sogenannte Komplementärmedizin birgt eine Vielzahl von Möglichkeiten, die onkologischen Standardtherapien zu ergänzen. Um das Immunsystem positiv zu beeinflussen, greifen beispielsweise viele Patientinnen und Patienten auf eine Misteltherapie zurück. Die Extrakte der immergrünen Pflanze zählen heute zu den am meisten verwendeten und seit der Entwicklung durch Rudolf Steiner im Jahre 1917 zu den am besten untersuchten pflanzlichen Heilmitteln. Seine Überlegungen galten vor allem der Anwendung von Misteln als Gegenspieler von Krebsgeschwüren.

Gut leben mit Krebs

Anschließend widmeten sich auch Naturwissenschaftler dieser Idee und konnten in den vergangenen Jahren zahlreiche, potenziell biologisch aktive Substanzen der Mistel extrahieren und analysieren: Etwa Flavonoide, Polysaccharide, Aminosäuren, Mistellektine und Viskotoxine. Die Pflanze gehört damit zu den bestuntersuchten Phytotherapeutika, die Datenlage umfasst mittlerweile über 140 Studien.

Ihre Wirkstoffe haben wachstumshemmende Effekte auf eine Vielzahl von Tumorzellen, jedoch stabilisierende Wirkungen auf gesunde Zellen des menschlichen Organismus, wie Lymphozyten. Sie fördern außerdem die Apoptose, ein gesteuertes „Selbstmord“-Programm von Krebszellen und schützen gleichzeitig die DNA gesunder Körperzellen vor den belastenden Wirkungen der in der Tumortherapie angewendeten Chemotherapeutika und von Strahlentherapien.

Unter die Haut

Für die Herstellung von Mistelpräparaten werden die Blätter, Zweige und Beeren der weißbeerigen Mistel verwendet. Die meisten Mistelpräparate werden aus verschiedenen Wirtsbäumen hergestellt und auch zu unterschiedlichen Zeiten im Sommer und Winter geerntet, um alle Wirkstoffe der Mistel zu erfassen.

Es gibt auch Präparate der Pflanzenheilkunde, die einen standardisierten Gehalt an isoliertem Mistellektin enthalten. Der so entstandene Mistelextrakt wird dann unter die Haut gespritzt – entweder vom Arzt oder, nach Anleitung, vom Patienten selbst. Dosierung, Häufigkeit und Dauer der Anwendung hängen vom jeweiligen Mistelpräparat ab.

Wichtig zu wissen

Mistelinjektionen können Rötungen an der Einstichstelle und milde grippeähnliche Symptome, wie leicht erhöhte Temperatur hervorrufen. Diese anfänglichen Effekte sind typische Zeichen für die Stimulierung der körpereigenen Abwehr und sollten deshalb, so lange sie ein erträgliches und vom Arzt gewünschtes Maß nicht überschreiten, auch nicht behandelt werden, da sie nach einigen Tagen von selbst verschwinden.

Deshalb sollte die Misteltherapie auch während einer Strahlentherapie nicht in jene Hautbereiche, die im Bestrahlungsfeld liegen, injiziert werden.