Welche PatientInnen können mit Hilfe einer Ionentherapie behandelt werden?

Grundsätzlich kann eine Ionentherapie bei jenen Personen zum Einsatz kommen, bei denen eine herkömmliche Strahlentherapie indiziert ist. Es stellt sich jedoch die Frage, bei welchen PatientInnen oder Krebsarten genau die Ionentherapie einen signifikanten Vorteil bietet.

Die Therapie kann allerdings keine Chemotherapie und keinen chirurgischen Eingriff ersetzen. Bei Kindern und Jugendlichen im Alter von zwei bis 18 Jahren, die besonders vulnerabel sind, weil ihre Organe noch wachsen, und bei PatientInnen mit Tumoren direkt neben strahlensensitiven Gewebe ist die Behandlung mittels Ionentherapie besonders sinnvoll.

Welche Vorteile besitzt diese Behandlungsmethode gegenüber einer herkömmlichen Strahlentherapie?

Da die Bestrahlung präzise im Tumor deponiert werden kann, ergeben sich zwei vorteilhafte Szenarien. Einerseits können Nebenwirkungen und Langzeitschäden minimiert werden, andererseits kann die Strahlendosis bei aggressiven Tumoren erhöht werden – wie bei Sarkomen, Schädelbasistumoren oder beim zentralen Lungenkrebs.

Wo liegen die Unterschiede im praktischen Ablauf der Therapie?

Die Behandlung unterscheidet sich nicht groß von jener der herkömmlichen Strahlentherapie. Auch bei einer Ionentherapie ist eine präzise Behandlungsplanung essenziell. Die PatientInnen werden ambulant bestrahlt, sie müssen also nicht im Krankenhaus bleiben. Es wird täglich einmal bestrahlt, an fünf Tagen pro Woche. Der Therapiezeitraum liegt generell zwischen fünf und acht Wochen.

Wie wirkt sich die Ionentherapie auf die Lebensqualität der PatientInnen aus?

Ich möchte anmerken, dass auch die herkömmliche Strahlentherapie mittlerweile so weit ist, dass sie PatientInnen eine entsprechende Lebensqualität bietet. Durch die geringere Dosis an Strahlung für das umliegende gesunde Gewebe wird die Ionentherapie allerdings noch besser vertragen. Im HNO-Bereich werden beispielsweise seltener Nahrungssonden benötigt. Langfristige Studien der University of Florida zeigen, dass es bei einem Prostatakarzinom und der Behandlung mittels Ionentherapie nur zu minimalen Einschränkungen kommt.

Was zeichnet den MedAustron Standort in Wiener Neustadt aus?

Bei der Ionentherapie handelt es sich schon lange nicht mehr um eine experimentelle Strahlentherapie. Die Therapieform hat sich längst etabliert und weltweit wurden mehr als hunderttausend Menschen so behandelt. Wir möchten PatientInnen nicht länger ins Ausland schicken, damit sie von den Vorteilen dieser Therapie profitieren können.

Hier soll das Krebsforschungs- und Krebstherapiezentrum in Wiener Neustadt Abhilfe schaffen. Dabei verfolgen wir einen komplementären Ansatz und keinen kompetitiven. Gemeinsam mit den Radioonkologen in Österreich möchten wir die Strahlentherapie in Österreich optimieren.

Wie sieht die Zukunft der Ionentherapie in Österreich aus?

Als Erstes möchten wir die Therapie für jene PatientInnengruppen in Österreich anbieten, bei denen sie sich bereits etabliert hat: Kinder, Menschen mit Hirntumoren und PatientInnen mit Tumoren an der Schädelbasis oder am Rückenmark. Außerdem wollen wir Menschen mit Rezidiven – also bei denen nach einer herkömmlichen Strahlentherapie der Tumor erneut auftritt – die Möglichkeit einer erneuten vollen Strahlentherapie bieten.

Mit den bisherigen Methoden ist dies oft schwierig, da es zu einer zu hohen Belastung des Normalgewebes kommen würde. Zu guter Letzt ist es unser Ziel, das Indikationsspektrum zu erweitern, um so auch häufiger auftretende Tumore behandeln zu können.