Was ist Ganzheitsmedizin?

Als Ganzheitsmediziner gehe ich davon aus, dass der Mensch Selbstheilungs- und Selbstregulationskräfte hat. Die wirken gegen Dauerstressoren: zum Beispiel psychischer Art wie ein Mobbing am Arbeitsplatz, physischer Art wie ein schlecht sitzender BH, der die Brust der Frau chronisch-mechanisch irritiert, oder chemischer Art wie eine falsche Ernährungsweise oder eine schiefe Hormonlage. Dank der körpereigenen Kräfte entsteht bestenfalls ein Gleichgewicht – ein ganzheitlicher Zustand, in dem Körper, Geist und Seele gesund sind.

Ein Tumor ist dann ein Zeichen dafür, dass …

… die Selbstheilung überfordert ist. Es ist Aufgabe des Ganzheitsmediziners, herauszufinden, was die Gesundheit des Menschen aus dem Gleichgewicht warf, sodass sich ein Tumor bildete.

Wo setzt die Ganzheitsmedizin mit der Suche an?

Wir suchen nicht symptomgeleitet und monokausal nach der Krebsursache, sondern betrachten den ganzen Menschen und die Wechselwirkungen zwischen ihm und dem, was sein Leben ausmacht.

Können Sie das näher erläutern?

Die klassische Krebstherapie versucht mit Mitteln wie OPs, Chemo oder Bestrahlung, Krebszellen zu vernichten. Ist ihr das gelungen, gilt der Patient als tumorfrei – aber: Er ist nicht unbedingt gesünder. Denn die Ursache des Krebses ist noch immer da, so er sie denn nicht ausräumt, also seinen Lebensstil entsprechend ändert. Wir haben es beim Krebs mit einem sehr cleveren Gewebe zu tun, das schnell lernt, wie es unseren Attacken entkommt. Steht der Patient nach wie vor unter den Belastungen wie vor der Behandlung, ist das Risiko für ein Wiederauftreten der Krebserkrankung gegeben.

Anders sieht es aus, wenn nicht nur der Krebs behandelt wird, sondern der Mensch als Ganzes, wie es die Ganzheitsmedizin macht. Es ist auch unser Ziel, den Krebs zu vernichten! Doch wir beziehen in die selbstverständlich auch von uns angewandten und vorgenannten schulmedizinischen Behandlungen den ganzen Menschen ein. Wir achten zum Beispiel auf die Neben- und Wechselwirkungen der Krebsbehandlung selbst, um Kollateralschäden in Körper und Seele zu verhindern beziehungsweise zu mindern.

Das kostet Zeit!

Stimmt. Aber die brauchen wir, um Vorgeschichte, aktuelle Lebensumstände und gegebenenfalls Missstände aufzuspüren, die dazu führten, dass der Mensch es mit einem Krebs zu tun bekommen hat. Je früher wir diese Dispositionen ausfindig und ihre Ursachen unschädlich machen, desto höher ist die Heilungschance. Die zeitliche Investition rechnet sich am Ende, sowohl für den Einzelnen als auch für die Gesellschaft.

Stellt die Ganzheitsmedizin den Arzt vor neue Herausforderungen?

Ganzheitsmediziner begegnen dem Krebs auf medizinischer und nicht medizinischer Ebene und müssen entsprechende Kenntnisse mitbringen. Sie brauchen Wissen über molekularbiologische Zusammenhänge ebenso wie Wissen über die sozialen Wechselwirkungen, die uns Menschen seelisch, geistig und körperlich krank machen können.

Das wiederum setzt voraus, dass die Ärzte willens sind, sich über ihr bereits komplexes schulmedizinisches Wissen hinaus mit ganzheitsmedizinischer Materie auseinanderzusetzen – und zwar ständig, um auch dort up to date zu bleiben.  

Und wie steht’s um den Patienten?

Wer an Krebs erkrankt, ist meist bereit, alles für seine Heilung zu tun. Gefährlich wird es für den Menschen oft erst dann, wenn es ihm nach der gelungen Krebsbehandlung besser geht. Dann fällt er oft in alte Lebensmuster zurück, sodass auch die alten, krebsverursachenden Stressoren wieder Einfluss nehmen können.

Eine potenzielle Gefahr…

 …die sich durchbrechen lässt, wenn man willens ist, sich auf eine seelisch, geistig und körperlich gesündere Lebensweise einzulassen – sein Leben lang.

Manchem Stress entkommt man heute doch aber kaum!

Das ist unsere Zeit. Wir sind heute alle chronisch müde, leicht erschöpft, kurz: gestresst. Damit müssen wir leben. Aber: Wir sind fähig, Krebs zu behandeln. Wer die richtige Behandlung zur richtigen Zeit erfährt, muss heute nicht mehr an Krebs sterben. Doch das ist auch die Crux: der richtige Zeitpunkt! Ideal wäre eine prophylaktische Krebsmedizin, doch davon sind wir weit entfernt.

In einigen Sparten der Medizin gibt es Ansätze für Früherkennung, zum Beispiel in der Frauenheilkunde. Deshalb setze ich mich so für Ganzheitsmedizin ein, denn sie bietet Möglichkeiten, auch Krebs vorzubeugen, weil man mit ihrer Hilfe chronische Stressoren identifizieren und wirkungslos machen kann, bevor sie zu einem bösen Tumor führen.