Die I/O etabliert sich zunehmend als wichtige Methode in der Krebsbehandlung, wobei das körpereigene Immunsystem als Verbündeter in der Therapie genützt wird. Das Ziel des therapeutischen Ansatzes ist es, das Immunsystem so zu beeinflussen, dass der natürliche Abwehrprozess gegen Krebszellen aktiviert wird.

Altes Bündnis – Neu geschmiedet

Der deutsche Immunologe Paul Ehrlich entwickelte die Theorie, dass das Immunsystem selbst Tumorzellen bekämpfen kann. Für seine Forschung auf diesem Gebiet erhielt er 1908 den Nobelpreis für Medizin. Zu dieser Zeit konnte diese Hypothese allerdings nicht bewiesen werden, da die molekularen und zellulären Komponenten des Immunsystems nicht bekannt waren.
Hierzu wurde 1957 ein Durchbruch mit der ersten Beschreibung des Proteins Interferon erzielt, das eine wichtige Rolle in der Immunregulation spielt. 1965 wurde schließlich das Protein Interleukin-2 entdeckt, welches für das Wachstum von T-Zellen zuständig ist. Diese werden in der Thymusdrüse gebildet und sind eine bestimmte Gruppe der weißen Blutkörperchen – den Leukozyten – und als Wächter im Immunssystem die Schlüsselfiguren. Durch diese Erkenntnisse über wichtige Komponenten und Regulationsmechanismen des Immunsystems konnte die Theorie der Immunüberwachung bei Krebserkrankung in den 70er-Jahren von Burnet erstmals beschrieben werden, jedoch konnte dies erst 2001 durch eine Forscherkolloquium rund um Vijay Shankaran und 2002 durch Robert D. Schneider eindeutig experimentell bewiesen werden.

Getarnt durch die Kontrolle

Krebszellen gelingt es, sich durch geschickte Tarnung und Täuschung durch die Kontrollmechanismen in unserem Körper zu schmuggeln. Tumore entstehen aus körpereigenen Zellen, die durch Mutation zu bösartigen Bausteinen des Organismus werden. Obwohl sie zunehmend die gesunden Zellen zerstören, weisen sich die malignen Zellen als körpereigene Stoffe aus und können so dem wachsamen Immunsystem entkommen. Das Immunsystem trennt gesunde von krankhaften Zellen und sortiert sie aus. In dieser Eliminierung der Krebszellen nehmen die
T-Zellen eine besonders wichtige Position ein. Krebszellen können jedoch durch ein entsprechendes Molekül – PD-L1 – das sich auf ihrer Zelloberfläche befindet, bestimmte Störsignale senden, um dem Kontrollmechanismus der T-Zellen zu entgehen. In der I/O wird versucht, mit speziellen Medikamenten und Verfahren die Aufmerksamkeit des Immunsystems auf die Tumorzellen zu lenken und negative Signale der Krebszellen abzuschalten, um die krankhaften Zellen zu attackieren und zu entfernen.

Aktiv versus Passiv

In der Onkologie wird zwischen der aktiven und passiven Immunisierung unterschieden. Bei der aktiven Immunisierung werden dem Patienten bestimmte Substanzen verabreicht, welche im Immunsystem eine entsprechende Reaktion auslösen sollen. Diese Immunantwort führt idealerweise zur Vernichtung der Tumorzellen oder zumindest zu einem verzögerten Tumorwachstum im Organismus. Bei der passiven Immunisierung werden Antikörper oder Bestandteile injiziert, die selektiv an Tumorzellen andocken können. Die Antikörper sind körpereigene
Proteinstrukturen, die von den B-Lymphozyten gebildet werden. Sie reagieren sensibel auf Antigene und können sich mit Hilfe eines passenden Schlüssels an sie binden. Die Tumorantigene werden von Krebszellen produziert und sind wichtige Zielstrukturen in der I/O. Diese Antigene werden durch die Bindung an die Antikörper für das Immunsystem sichtbar und führen so zur Zerstörung der krankhaften Zellen.

Eine Antwort auf die Frage wie Krebs bekämpft werden kann?

Während die sichtbaren Erfolge bei der Chemo -oder Strahlentherapie schnell eintreffen, kann die Immun-antwort bei der I/O-Therapie zeitverzögert erfolgen. Die Chemotherapie zerstört eine große Zellanzahl, unterscheidet jedoch nicht zwischen bestimmten gesunden und erkrankten Zellen. Bei der I/O- Therapie hängt es vom Medikament ab, welche Nebenwirkungen hervorgerufen werden. So kann es je nach Wirkstoff beispielsweise zu entzündlichen Hautreaktionen oder Durchfall kommen. Auch nicht alle Krebsarten reagieren auf die derzeitigen Forschungsansätze der I/O- Therapie, jedoch werden in der Praxis bereits sehr gute Langzeiterfolge zur Behandlung von schwarzem Hautkrebs, sowie in klinischen Studien bei Lungen-, Blasen-und Lymphdrüsenkrebs erzielt.