Die Ionentherapie (Partikeltherapie) wird zur Strahlentherapie gezählt, bei welcher Ionen – elektrisch geladene Teilchen – die Hauptverbündeten im Kampf gegen Krebs sind.

Hochgeladen und zielgerichtet

Die in der Ionentherapie verwendeten Protonen sind konkreter die positiv geladenen Kerne von Wasserstoffatomen. Sie haben im Vergleich zur herkömmlichen Strahlentherapie mit Photonen oder Elektronen eine andere physikalische Art der Wechselwirkung mit dem Gewebe. Bei der Bestrahlung werden diese Protonen durch einen Magneten zu einem hauchfeinen Strahl gebündelt, welcher punktgenau auf den Tumor des Patienten gelenkt wird – mit einer Präzision von einem Millimeter.

Obwohl die Ionenstrahlen mit bis zu zwei Drittel der Lichtgeschwindigkeit bzw. 200.000 km/s in das Tumorgewebe eindringen, können die Teilchen präzise im berechneten Tumorgewebe des Patienten gestoppt werden. Durch die exakte Abgrenzung des zu bestrahlenden Bereiches kann somit auch das gesunde Gewebe geschützt werden.

Kleine Teilchen – große Wirkung

Der Begriff Ion leitet sich vom altgriechischen ἰόν: „das Gehende, das Wandernde“ ab. Durch die Abgabe eines Elektrons wird das Wasserstoffatom zu einem Proton ionisiert.

Ein Ion möchte jedoch immer wieder in seinen Idealzustand zurück und versucht durch Abgabe oder Aufnahme von Elektronen seinen Ursprungszustand zurückzugewinnen. Die Ionentherapie macht sich diese Eigenschaft zunutze. Denn dringen die Ionenstrahlen bei der Therapie in das zu behandelnde Gewebe ein, so geben sie ihre Bewegungsenergie direkt an dieses weiter.

Sie verändern durch Auftreten im Tumorgewebe auch dessen elektrische Ladung und sollen damit die Tumorzellen am weiteren Wachstum hindern. Im Vergleich zu einer herkömmlichen Strahlentherapie liegt der große Vorteil der Ionentherapie in der hohen Wirksamkeit der Methode.

Während Photonenstrahlen – die hauptsächlich bei einer radioonkologischen Bestrahlung verwendet werden – durch den menschlichen Körper wandern, können im Gegensatz dazu Ionenstrahlen im Körper des Patienten zielgenau gestoppt werden. Durch die Schonung des gesunden Gewebes können bei der Ionentherapie auch höhere Bestrahlungsdosen verabreicht werden, bei einer gleichzeitigen Reduktion von therapiebedingten Nebenwirkungen.

Ein weiterer Behandlungsweg innerhalb der Ionentherapie ist jene mit Kohlenstoffionen. Diese haben eine etwa dreimal höhere biologische Wirksamkeit, weswegen diese Form besonders für Knochen- und Weichteiltumore in der Nähe von strahlensensiblen Organen oder auch für lokale Ausstrahlungen von Tumoren geeignet ist.

Erfolgversprechende Studien haben gezeigt, dass damit auch Tumore, die gegenüber der herkömmlichen Strahlentherapie weitgehend resistent sind, in vielen Fällen sehr gute Behandlungsergebnisse vorbringen, wodurch das Spektrum der vielversprechenden Therapien eine neue Facette gewinnt.   

Punktgenaue Landung

Während Ionen bei der Bestrahlung ihre Energie punktgenau freisetzen, bewegen sich Röntgenstrahlen auf einer kontinuierlichen Bahn durch den ganzen Körper. Auch wenn sich mit diesen heutzutage sehr präzise bestrahlen lässt, so kann die Belastung für das gesunde Gewebe in der Umgebung des Tumors durch Ionenbestrahlun­gen im Vergleich deutlich reduziert werden.

Die Ionenstrahlen eignen sich auch besonders gut für alle Tumore, die tief im Körperinneren verborgen sind, besonders an empfindliches Gewebe grenzen oder einer konventionellen Bestrahlung widerstehen. Durch die punktgenaue Berechnung der Strahlungsdosis als auch des Zielgebietes ist die Ionentherapie eine optimale Behandlung von Tumoren in der Nähe von sehr strahlenempfindlichen Organen, wie zum Beispiel Gehirn und Rückenmark, Augen, Leber und Lunge.

Da Kinder und Jugendliche durch Wachstum und Entwicklung noch strahlenempfindlicher sind, eignet sich die Ionenbestrahlung auch besonders für diese sensible Zielgruppe.

Hoffnungsvolle Ergebnisse

Wissenschaftliche Untersuchungen stellen dar, dass bei Patienten nach knapp zwei Jahrzehnten nach der Ionenstrahlentherapie nur halb so häufig Tumorerkrankungen auftreten – im Gegensatz zu früher üblichen Röntgenbehandlungen. Bewiesen ist der Nutzen von Ionen etwa für bösartige Speicheldrüsen­tumore sowie Knochentumore an der Schädelbasis.

Weitere erfolgsversprechende Studien haben gezeigt, dass durch die Ionentherapie auch Tumore, die gegenüber der herkömmlichen Strahlentherapie weitgehend resistent sind, in vielen Fällen behandelbar werden. Durch die guten Behandlungserfolge der Ionentherapie gewinnt der Kampf gegen den Krebs eine neue Etappe.