Was ist die „Misteltherapie“ überhaupt?

Das ist eine Krebstherapie, die mittlerweile seit 100 Jahren immer wieder weiterentwickelt wird. 1917 wurde sie entdeckt und seitdem spielt sie eine Rolle. Und obwohl schon so lange entwickelt wird, ist immer noch nicht das gesamte Potenzial der Pflanze genutzt, das Forschungspotenzial ist immer noch hoch.

Was macht die Misteltherapie so spannend?

Das Interessante ist, dass es kein zellulär basierter Ansatz ist, den wir in der Onkologie sonst verfolgen. Wir reduzieren Tumorzellen oder markieren sie mit Antikörpern, um eine Immunantwort auszulösen. Die Misteltherapie ist aber ein Typus-Präparat. Das heißt, sie erfasst die Krankheit in der Totalität Mensch.

Da wir in der modernen Onkologie aber primär Tumore bzw. Tumorstadien therapieren, ist es nicht so einfach zu transportieren, dass es auch einen anderen Ansatz geben kann. Der aber, und das sollte man unbedingt erwähnen, kombinierbar ist.

Also die Misteltherapie als Zusatz zur klassischen Behandlung?

Genau. Sie können eine Chemotherapie, Operation oder Strahlentherapie mit einer Misteltherapie kombinieren. Daher ist sie auch so breit einsetzbar.

Und welche Vorteile bringt das?

Die Misteltherapie reduziert die Nebenwirkungen der Krebstherapie. Das ist gut belegbar und hat sich bewährt. Sprich, die Folgen der herkömmlichen Therapie können reduziert werden, die Wirkung aber bleibt erhalten. Auch die Lebensqualität wird dadurch – und auch das ist bestens belegt – erhöht. Sogar eine Überlebensverlängerung ist gut dokumentiert.

Ist die Misteltherapie eigentlich für jede Krebsart geeignet?

Im Prinzip ja. Es gibt aber unterschiedliche Hersteller mit unterschiedlichen Verfahren und unterschiedlichen Wirtsbäumen. Bis zu zwei Drittel der Inhaltsstoffe sind Inhaltsstoffe des Wirtsbaumes. Mit den dreizehn Wirtsbäumen lässt sich die Wirkung schön steuern. Und damit lässt sich das gesamte Spektrum der onkologischen Behandlungen abdecken.

Also würde es durchaus Sinn machen, die Misteltherapie bei jeder Art von Krebserkrankung zusätzlich zur herkömmlichen Therapie einzusetzen, um die Situation von KrebspatientInnen zu verbessern?

Ja, natürlich! Krebs ist eine fundamentale, eine Biografie verändernde Krankheit. Daher nehmen wir alle Hilfsmittel zur Hand, die wir bekommen können. Moderne Chirurgie, moderne Chemotherapie, modernste Strahlentherapie und eben auch die Misteltherapie. Denn nur so haben wir einen Ansatz, der ergänzend und komplementär ist. Und dadurch für den Patienten sicherlich mit Mehrwert.