Univ. Prof. Dr. Paul Sevelda
Präsident der Österreichischen Krebshilfe

Diagnose Krebs – ein Schock nicht nur für die betroffene Person, sondern auch für die Angehörigen und Freunde. Auch heuer werden in Österreich wieder etwa 35 000 Menschen mit dieser Diagnose erstmals konfrontiert werden. Auch wenn zwei Drittel der Krebserkrankungen schicksalshaft entstehen, können wir durch unseren Lebensstil,  durch Impfungen und durch Früherkennungsmaßnahmen, unser persönliches Erkrankungsrisiko um mehr als ein Drittel senken. Vermeiden von Übergewicht, regelmäßige Bewegung des Körpers und nicht Rauchen reduzieren nicht nur das Risiko an Krebs zu erkranken, sondern können auch die Entstehung von Zuckerkrankheit, Bluthochdruck, Schlaganfall und Herzinfarkt verhindern. 

 

Wichtige Impfungen

Die Impfung gegen HPV kann mit hoher Wahrscheinlichkeit viele Krebserkrankungen des Gebärmutterhalses, des Genitale aber auch der Mundhöhle und des Hales,  sowie des Enddarmes verhindern. Bedauerlicherweise wurde diese so wirksame Maßnahme bis heute in Österreich noch kaum von der Bevölkerung angenommen. Vor allem junge Mädchen würden von der HPV Impfung enorm profitieren. Aber auch die Impfung gegen Hepatitis B konnte die Zahl an Leberkrebs wesentlich reduzieren. Weitere Impfungen sind in Entwicklung und werden in weiterer Zukunft  die Entstehung von verschiedenen Krebserkrankungen vermeiden können.

 

Vorsorgeuntersuchungen

Trotz Impfungen und  gesunden Lebensstils kann jeder Mensch dennoch an Krebs erkranken.  Deshalb ist es wichtig die sinnvollen Früherkennungsuntersuchungen in Anspruch zu nehmen - die Mammographie zur Früherkennung von Brustkrebs, die Darmspiegelung zur Früherkennung des Dickdarmkrebses und der Krebsabstrich bei der Frau zur Früherkennung des Gebärmutterhalskrebses.  Die Österreichische Krebshilfe hat mit dem Email Erinnerungsprogramm „Aus Liebe zum Leben“ weltweit das erste anonymisierte Einladungsprogramm geschaffen, mit dem wir über ein Erinnerungsmail Männer und Frauen an die Evidenz basierten Früherkennungsuntersuchungen nach dem gültigen Stand der Wissenschaften erinnern. 

 

Verbesserte Therapieformen

Aber auch die Weiterentwicklung der modernen operativen medikamentösen und strahlentherapeutischen Behandlungen haben die Heilungsaussichten bei den allermeisten Krebserkrankungen deutlich verbessern können. Auch die Verträglichkeit all dieser Therapien wurde entscheidend verbessert, sowohl durch begleitende Maßnahmen als auch durch die individualisierte
Behandlung. 

 

„Trotz Impfungen und gesunden Lebensstils kann jeder Mensch dennoch an Krebs erkranken.“

 

Lebensqualität erhalten

Trotz aller Fortschritte sterben jährlich etwa 20 000 Menschen in Österreich an ihrer Krebserkrankung. Gerade in dieser letzten Phase des Lebens hat die umfassende Betreuung nicht nur auf medizinischer Ebene sondern vor allem auch auf der psychoonkologischen und spirituellen Ebene große Fortschritte gebracht. Die Diagnose Krebs wird nicht mehr tabuisiert und auch die Endlichkeit des Lebens darf heute angesprochen werden. Hier rückt die Kommunikation mit der Familie und den Angehörigen sowie die begleitende Therapie von Schmerzen und sonstiger Beschwerden zur Wahrung einer zufriedenstellenden Lebensqualität in den Vordergrund. Umfassende Beratung in den österreichweiten Beratungsstellen der Krebshilfe von Kranken und deren Angehörigen ermöglichen oft eine erfüllte Phase des Abschieds und des Sterbens.