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Die Ionentherapie

Die Partikeltherapie ist eine evolutionäre Form der Strahlentherapie und eine weitere Option, wenn es um die beste individuelle Behandlung für jede Patientin und jeden Patienten geht. Es gilt gut abzuwägen, bei welchen Krebsarten die Ionentherapie einen signifikanten Vorteil bietet. Bei Kindern und Jugendlichen, deren wachsende Organe besonders vulnerabel sind, und bei Patienten mit Tumoren direkt neben strahlensensitiven Gewebe oder bei denen ein erneutes Tumorwachstum nach konventioneller Strahlentherapie aufgetreten ist, ist die Behandlung mittels Ionentherapie besonders sinnvoll.

Die Ionentherapie
Prof. Dr. Eugen B. Hug, Ärztlicher Direktor MedAustron

Im Kampf gegen Krebsgeschwülste (Tumore) setzt man seit mehr als 100 Jahren auf Strahlentherapie (Radiotherapie, Radioonkologie). Sie ist neben Operation und Chemotherapie bis heute eine der Säulen der Krebsbehandlung und kommt bei etwa jedem zweiten Krebspatienten im Verlaufe seiner Erkrankung zum Einsatz.

Anders als eine medikamentös verabreichte Chemotherapie, die im ganzen Körper systemisch wirkt, wirken Strahlungstherapien (wie OPs auch) lokal, weil die Krebszellen gezielt bestrahlt werden. Die Strahlen zerstören die Erbsubstanz der Krebszellen, um so die Zellteilung und damit das Krebswachstum zu stoppen. Infolgedessen schwinden die Tumore – bestenfalls verschwinden sie sogar ganz.

Welches Risiko bergen Strahlungstherapien?

Strahlungstherapien können auch gesunde Körperzellen schädigen, weil sie nicht zellspezifisch wirken. Dazu muss man wissen, dass die natürliche Fähigkeit einer Zelle, Reparaturen auszuführen, auch von ihrem Zustand abhängt: Gesunde Zellen sind eher in der Lage zur Erbgutreparatur als kranke.

Was ist eine Ionentherapie?

Die Ionentherapie (auch Partikeltherapie genannt) ist eine Strahlentherapie, bei der der Tumor mit hochenergetischen, positiv geladenen, winzigen Teilchen (sogenannte Schwer-Ionen) dosiert bestrahlt wird, die zu einem kompakten Ionenstrahl gebündelt werden.

Wie unterscheidet sich die Ionentherapie von herkömmlichen Strahlentherapien?

Die Ionentherapie schädigt das vor dem Tumor liegende, gesunde und mit diesem zugleich bestrahlte Gewebe weniger schwer als herkömmliche Strahlentherapien, die mit Photonen (Gamma- und Röntgenstrahlung) und Elektronen arbeiten. Gesundes Gewebe hinter dem Tumor bleibt von ihr bestenfalls völlig verschont.

Das gelingt, weil Schwer-Ionen ihre Strahlenenergie erst dann freisetzen, wenn sie beim Durchdringen des Gewebes abgebremst werden. Sie entfalten das Maximum ihrer zellzerstörenden Wirkung erst kurz vor ihrem Stillstand im Krebsgeschwür (sogenannter Bragg-Peak-Effekt). Indem die Strahlenenergie kontrolliert variiert wird, lässt sich das Krebsgewebe stärker bestrahlen und umliegendes, gesundes Gewebe dagegen schwächer bis gar nicht.

Womit wird bei der Ionentherapie bestrahlt?

Man unterscheidet die Ionentherapie nach der Art der Teilchen, mit denen bestrahlt wird, in zwei Typen:

  1. Ionentherapie mit positiv geladenen Kernen von Wasserstoffatomen (Protonen beziehungsweise Wasserstoff-Ionen)
  2. Ionentherapie mit Kohlenstoffatomen, denen mindestens ein Elektron oder bis alle sechs Elektronen fehl(t)en (Kohlenstoff-Ionen)

Die biologische Wirksamkeit der Ionentherapie mit Kohlenstoff-Ionen ist etwa drei bis fünf Mal höher als die der Ionentherapie mit Wasserstoff-Ionen.

Eignet sich die Ionentherapie auch für junge PatientInnen?

Das Gewebe von PatientInnen im Kindes- und Teenageralter ist besonders empfindlich gegenüber Strahlungstherapien, denn es befindet sich im steten Wachstum. Die das gesunde Gewebe schonende und millimetergenau fokussierbare Ionentherapie mit Protonen hat sich in der Krebstherapie von jungen PatientInnen deshalb bewährt, weil sie das Risiko von Spätfolgen wie Hormon- und Wachstumsstörungen senkt und gesundes Gewebe effizienter als herkömmliche Strahlungstherapien schont. Außerdem mindert sie das Risiko, dass sich ein Zweittumor ausbildet.  

Wo kommt die Ionentherapie vorteilhaft zum Einsatz?

Die Ionentherapie mit Protonen ist besonders dann von Vorteil,  

  • wenn Tumore nahe strahlenempfindlichen Organen wie Gehirn, Rückenmark, Augen, Leber, Lunge und Prostata sitzen.
  • wenn Tumore selbst eher unempfindlich für herkömmliche Strahlentherapien sind: Tumore der Schädelbasis wie Chondromen (gutartige, knorpelbildende Tumore), Chondrosarkomen (maligne Knochentumore) und Meningeomen (meist gutartige Tumore der Hirnhaut) sowie Tumore der Speicheldrüsen.

Die Ionentherapie mit Kohlenstoff-Ionen eignet sich insbesondere für:

  • Knochen- und Weichteiltumore, die sehr nahe an strahlenempfindlichen Organen liegen,
  • langsam wachsende Tumore,
  • sauerstoffarme Tumore
  • oder Lokalrezidive nach herkömmlichen Strahlentherapien.

Laut Studien wirkt die Ionentherapie mit Kohlenstoff-Ionen selbst gegen Krebsgeschwüre, bei denen herkömmliche Strahlentherapien nahezu wirkungslos blieben.

Im Reigen der modernen Krebstherapien hat die Ionentherapie heute damit zu Recht einen Platz als hoffnungsvolle Therapie für bislang schwer bestrahlbare Tumore.