Dipl.-Ing Dr.techn. Gernot Kronreif
Wissenschaftlicher Leiter bei ACMIT

Die Interventionelle Radiologie ist eine spezifische Form der Behandlung in der Therapie von onkologischen Patienten. In Österreich wird diese nur an bestimmten Schwerpunktkrankenhäusern sowie von wenigen Experten durchgeführt. Das bessere Verständnis rund um die Entstehung von Krebs sowie verstärkte Forschung im Bereich der Medizintechnik führen zu besseren Behandlungsmethoden im Bereich der Onkologie. Einer der führenden Experten im Bereich der neue Technologien zur Behandlung ist Dr. Gernot Kronreif (49). Er hat an der TU Wien Maschinenbau mit Spezialrichtung Robotertechnik studiert, 1996 promoviert und beschäftigt sich seit 2010 am Austrian Center for Medical Innovation and Technology (ACMIT) gemeinsam mit iSYS Medizintechnik mit der Entwicklung von Robotersystemen für die Interventionelle Radiologie.

Die Interventionelle Radiologie bedient sich bildgebender Verfahren, um minimal-invasive Eingriffe und Therapiemaßnahmen durchzuführen. Ultraschall, Röntgen, CT oder MRT liefern dabei Abbildungen des Körpers, die eine zielgerichtete Behandlung in den betroffenen Körperregionen ermöglichen. Die Einsatzgebiete der Interventionellen Radiologie sind dabei vielfältig. “Das beginnt mit einer Biopsie, wo in der Regel mit Unterstützung von bildgebenden Verfahren Gewebsproben für eine spätere histologische Untersuchung entnommen werden. Grundsätzlich kann jeder Tumor – welcher durch die Haut (perkutan) komplikationsfrei erreicht werden kann - interventionsradiologisch behandelt werden. Typische Anwendungen sind Krebserkrankungen in Leber, Lunge, Niere, Brust und Knochen. Ein Beispiel für interventionsradiologische Eingriffe in der Krebstherapie ist die Chemoembolisation, wo unter Durchleuchtung die krebsversorgenden Gefäße selektiv sondiert und der Tumor mit einem Chemotherapeutikum behandelt wird. Weiters wären diverse Tumorablationsverfahren zu nennen. Hierbei wird eine nadelförmige Sonde im Tumor platziert und dieser durch gezielte Energieabgabe (Mikrowellenablation, Radiofrequenzablation), Kälte (Cryoablation), elektrophysikalisch (Elektroporation) oder chemisch (Ethanol) zerstört. Ein wesentlicher Aspekt aller Verfahren ist die genaue Positionierung des Werkzeuges – also die genaue Umsetzung der aus der eingesetzten Bildgebung gewonnenen Informationen.“, so Dr. Gernot Kronreif. Durch die minimal-invasiven Eingriffe erfolgt eine schonende Behandlung, welche kaum sichtbare Narben und Beschwerden hinterlässt.

Für alle Altersgruppen

Ein großer Vorteil ist, dass diese Art der Behandlung für alle Altersgruppen angewendet werden kann. Trotz alledem kommen diese Verfahren bei der pädiatrischen Therapie noch zu wenig zum Einsatz, aber „gerade bei der Behandlung von Kindern ist diese minimal-invasive Behandlung vorteilhaft. Mit Ultraschall oder der Magnetresonanztomographie stehen alternative, bildgebende Verfahren zur Verfügung, die eine Minimierung der Strahlendosis bei der Interventionellen Radiologie erlauben.“ Die lokale Anwendung der Interventionellen Radiologie kann zwar in jedem Stadium der Krebstherapie eingesetzt werden, ersetzt aber häufig keine Chemotherapie im fortgeschrittenen Stadium, da die verwendeten Wirkstoffe der eingesetzten Therapeutika die Metastasten auch über die Blutbahnen und Gewebsflüssigkeit erreichen. Jedoch gibt die Interventionelle Radiologie im Bereich der Onkologie den Betroffenen neue Hoffnung auf Heilung und eine – im wahrsten Sinne des Wortes – gute Aussicht auf eine strahlende Zukunft ohne Krebs.