Herkömmliche Therapieformen sind für an Krebs erkrankte Menschen oft mit schwerwiegenden Nebenwirkungen verbunden. Diese reichen von psychischen Belastungen über Beeinträchtigungen der Schleimhäute im Mund, im Rachen, im Magen-Darmtrakt, an den Harnwegen, aber auch an Blutgefäßen und am Herzen bis zum Haarausfall.

Bei Strahlentherapien kommt es auch zur Beschädigung von gesundem Gewebe, welches sich in unmittelbarer Nähe des bestrahlten Tumors befindet. Darum arbeitet die Forschung schon seit langer Zeit an einer schonenderen Form der Krebsbekämpfung.

Vorteil Ionentherapie

Die Ionentherapie ist genau so eine schonende Form der Krebstherapie. Sie kann vor allem bei PatientInnen mit Hirn- und HNO-Tumoren bzw. bei Menschen, die an Bauchspeicheldrüsenkrebs erkrankt sind, eingesetzt werden. Dabei erfolgt die Bestrahlung mittels kleiner geladener Teilchen. Der Vorteil der Ionentherapie liegt in der hohen biologischen Wirksamkeit der Methode.

Es ist möglich, dass das Teilchen direkt im Tumor zum Stehen kommt, dort den Großteil seiner Energie abgibt und dabei seine zerstörerische Kraft freisetzt – nicht davor oder dahinter. Dadurch werden die Zellen des umliegenden Gewebes geschont und nur die erkrankten Zellen getroffen. So werden auch die Nebenwirkungen minimiert.

Der Patient

Von einer Ionentherapie profitieren vor allem PatientInnen, deren Tumor mit herkömmlicher Strahlentherapie nicht ausreichend behandelt werden kann oder bei denen der Tumor in der Nähe von strahlenempfindlichem, gesundem Gewebe lokalisiert ist. Die Therapieform gilt in verschiedenen Bereichen bereits als voll etabliert.

Zum Beispiel bei Schädelbasis-, Kopf- und Halstumoren, Hirntumoren, Sarkomen und pädiatrischen Tumoren sowie bei Reirradiation – dem wiederholten Bestrahlen eines Tumorrezidiv nach konventioneller Strahlentherapie. Mehr als 140.000 PatientInnen wurden weltweit bereits mit der Partikeltherapie erfolgreich behandelt.

Der Ablauf

Am Beginn jeder Ionentherapie steht ein intensives Aufklärungsgespräch. Dabei bespricht ein Arzt die Tumorerkrankung, den Ablauf der Behandlung und die Wirkungen und möglichen Nebenwirkungen der Therapie mit dem Patienten. Bevor die Ionentherapie begonnen werden kann, ist es notwendig, dass einige Vorkehrungen getroffen werden. Es werden beispielsweise individuelle Lagerungshilfen angefertigt (Thermoplastmasken oder Lagerungsmatratzen).

Nach erfolgter Untersuchung wird mit Hilfe von Computertomografieaufnahmen ein individueller Bestrahlungsplan erstellt.

Diese Hilfsmittel sorgen dafür, dass sich der Patient für jede Behandlung in der exakt gleichen Position befindet. Nur so kann mit hoher Präzision bestrahlt werden und das gesunde Gewebe optimal geschont bleiben. Nach einer CT-Untersuchung wird mit Hilfe der CT-Bilder ein individueller Bestrahlungsplan erstellt. Dabei wird vor der eigentlichen Behandlung genau berechnet, wie der Tumor am besten bestrahlt werden kann mit zeitgleicher optimaler Schonung des umliegenden, gesunden Gewebes.

Wie viele Einheiten notwendig sind, hängt von der jeweiligen Tumorerkrankung ab. Die Bestrahlung an sich dauert dann nur wenige Minuten. Die typische Behandlungsdauer beträgt fünf bis sieben Wochen.

Die Vorteile

Langsam wachsenden Tumore sind oft schwer mit herkömmlichen Therapieformen zu bekämpfen. Gerade hierbei verspricht die Ionentherapie sehr gute Heilungschancen. Denn durch die größere Zerstörungskraft werden auch ruhende Krebszellen erreicht und bilden sich rasch zurück. Durch die zielgenaue Bestrahlung bleiben Nebenwirkungen weitestgehend aus.

Dies steigert die Lebensqualität der PatientInnen nicht nur während des Fortlaufs der Ionentherapie, sondern wirkt sich auch nach der Beendigung der Behandlung auf das Wohlbefinden der Menschen aus. Dieser Parameter ist nicht zu vernachlässigen und wird seit Neuestem für die langfristige Beurteilung der Therapiewirksamkeit bei an Krebs erkrankten Personen herangezogen. Dabei spielt die psychologische Komponente eine immer wichtigere Rolle.

Deshalb werden im Zuge der Ionentherapie auch psychologische Betreuung (Psychoonkologie) und onkologische Rehabilitation als unterstützende Therapieformen angeboten. Dabei kommen beispielsweise Farb- und Lichttherapien zum Einsatz. Dies wirkt sich positiv auf die Menschen aus, denn gut geführte PatientInnen, welche über einen guten psychischen Allgemeinzustand verfügen, haben nicht nur eine bessere Lebensqualität, sondern erreichen im Durchschnitt auch ein höheres Lebensalter.