Leider verschreiben viele Ärzte das Antiemetikum erst dann, wenn es für den Patienten bereits unerträglich ist. Die erste Welle der Übelkeit setzt bei einer Chemotherapie mit der ersten Dosierung ein. Die Übelkeit muss nicht immer direkt bei der Therapie auftreten, manchmal dauert es ein paar Stunden bis einige Tage bevor der Patient unter einem starken Übelkeitsschub leidet. Viele Ärzte warten diesen ersten Schub ab und beobachten, wie es dem Patienten geht, ob die Übelkeit abnimmt oder ob er zu der Risikogruppe gehört, welche längerfristig mit starker Übelkeit zu kämpfen hat. Immerhin verträgt jeder die Chemotherapie anders. Doch für manche Patienten ist das leider nicht die richtige Überlegung.

Risikofaktoren

Unterstützende Therapien, wie beispielsweise ein Antiemetikum, können bereits bei der ersten Sitzung präventiv verabreicht werden. Und zwar nicht nur bei jenen Patienten, denen einen Großteil der Zeit übel ist, sondern auch den weniger stark betroffenen Gruppen.
Im Grunde kann jeder für sich selbst schon vor der Chemotherapie abschätzen, wie stark die Übelkeit tatsächlich auftreten wird. Zu der Risikogruppe gehören all jene Leute, denen auch ohne eine Chemotherapie leicht übel wird. Das können Menschen sein, die es nicht ertragen, längere Autofahrten ohne Medikamente gegen Reiseübelkeit durchzustehen und jene, denen bei schnellen Filmen und 3D-Effekten im Kino übel wird, aber auch Frauen, die während der Schwangerschaft einen stärkeren Hang zum Unwohlsein verspürt haben.

Gute Vorbereitung ist der halbe Preis

Natürlich ist es immer gut, schon vor Beginn der Chemotherapie abzuklären, ob es Sinn macht, ein Antiemetikum zu nehmen und mit dem Arzt abzuklären, welche Art von Therapie zusätzlich verabreicht werden soll. Jeder Mensch reagiert anders auf die Therapien und jeder Mensch verträgt verschiedene Therapien besser. Dennoch ist es auf jeden Fall sinnvoll, sich bereits bei der Diagnose Krebs nicht nur mit den verschiedenen Möglichkeiten an Behandlungen für den Tumor selbst, sondern auch für die leider mit Garantie auftretenden Nebenwirkungen auseinanderzusetzen.

Das große Tabuthema Erbrechen

Die Übelkeit bei der Chemotherapie hat jedoch noch mehr Nebenwirkungen als nur Unwohlsein. Der Patient verliert die Lust am Essen, die Vermeidung von Nahrungsmittelaufnahme soll helfen, die Übelkeit zu unterdrücken. Doch das ist genau der falsche Weg.
Mit dem Verlieren der Lust aufʹs Essen wird auch der Körper zunehmend schwächer. Nährstoffe fehlen, die Energie lässt nach und das sowieso schon schwache Immunsystem ist nicht mehr fähig zu arbeiten. Das hat zur Folge, dass der Patient zu schwach wird, um die Chemotherapie durchzustehen. Ein anderes Problem ist das Schamgefühl. Viele Patienten fürchten sich davor, während der Chemotherapie das Haus zu verlassen, aus Angst davor, die Übelkeit nicht beherrschen zu können und sich in der Öffentlichkeit zu übergeben. Die Abschottung und auch das Verheimlichen der Übelkeit vor der eigenen Familie ist zusätzlich eine große Belastung für den Patienten.