Brustkrebs darf unter Frauen schon fast als Volkskrankheit gelten. Jede achte Frau erkrankt im Laufe ihres Lebens irgendwann daran. In den westlichen Industrienationen ist Brustkrebs die häufigste Krebsart der Frau. Und auch wenn rund siebzig Prozent aller Brustkrebserkrankungen brusterhaltend behandelt werden können, kann es im Zuge einer optimalen Therapie notwendig werden, eine oder im schlimmsten Fall sogar beide Brüste zu entfernen. Ein solcher Schritt stellt nicht nur für den Körper, sondern auch für die Psyche der betroffenen Frau einen immensen Einschnitt dar.

Die psychische Komponente

Als ob die Diagnose Krebs nicht schon belastend genug wäre, kann es während der Behandlung bei etwa dreißig Prozent der betroffenen Patientinnen dazu kommen, dass zumindest eine oder sogar beide Brüste entfernt werden müssen. Der nächste schwere Schlag für Körper und Geist. Denn die Brust ist für viele Frauen auch Sinnbild ihrer Weiblichkeit. Verlieren sie diese, geht damit oft ein vermeintlicher Verlust der eigenen Weiblichkeit einher.

Viele Frauen reagieren auf eine Brustamputation mit gesellschaftlichem und sozialem Rückzug, mit Unsicherheit und Depressionen. Freundschaften bleiben auf der Strecke, oft führt dieser Teufelskreis aus Scham und Rückzug auch zum Verlust des Jobs und zu partnerschaftlichen Problemen bis zur Trennung.

Wann kann rekonstruiert werden?

Abhilfe schafft in den meisten Fällen die Rekonstruktion der Brust. Doch welches Verfahren zur Brustwiederherstellung für die jeweilige Patientin in Frage kommt, hängt von zahlreichen Faktoren ab. So haben etwa die Menge und Qualität der verbliebenen Haut und des Weichteilgewebes genauso einen Einfluss auf die Art der Rekonstruktion wie die Größe einer verbliebenen, gesunden Brust. Und natürlich sollte die neue Brust zum Körpertyp der jeweiligen Frau passen. Auch der jeweilige Gesundheitszustand, der Status der Krebstherapie und nicht zuletzt der Lebensstil und die Wünsche und Ansprüche der Patientin spielen eine wesentliche Rolle in der Auswahl des Verfahrens.

Drei unterschiedliche Verfahren

Grundsätzlich wird zwischen drei unterschiedlichen Verfahren zur Brustrekonstruktion entschieden. Es besteht die Möglichkeit einer Rekonstruktion mit Eigenfett, mit körpereigenem Gewebe oder mit Implantaten.

Die Rekonstruktion mit Eigenfett ist dort angebracht, wo keine vollständige Entfernung notwendig wurde, sondern nur Teile der Brust operativ entfernt werden mussten. Dafür werden vorhandene Fettdepots an Bauch oder Oberschenkel abgesaugt und das dort entnommene Fett nach Aufbereitung in jene Stellen der Brust injiziert, wo operiert wurde. 

Eine Rekonstruktion mit körpereigenem Haut- oder Muskelgewebe, auch TRAM-Verfahren genannt, ist auch bei einer Totalamputation möglich. Bei dieser Variante wird ein Hautlappen aus Bauch, Gesäß oder Oberschenkel entnommen und damit eine Brust geformt. Diese Methode ist sehr anspruchsvoll und erfordert viel Erfahrung vom Chirurgen.

Die Rekonstruktion mit Implantaten ist das unter Laien bekannteste Verfahren. Dabei ist es wichtig, das Gewebe zuvor zu dehnen, um Platz für die Implantate zu schaffen. Der größte Vorteil der Rekonstruktion mit Implantaten liegt in der relativ einfachen Operationsmethode mit weniger Narben und kürzerer Operationsdauer als bei den beiden anderen Verfahren.  

Und die Brustwarze?

Die Neubildung der Brustwarze und des Warzenhofs stellt das Sahnehäubchen der Brustrekonstruktion dar, sollte aber erst etwa ein Jahr nach der Brustrekonstruktion selbst erfolgen. Entweder durch Hautverschiebung der Brust oder mit Teilen der zweiten Brustwarze ist es möglich, eine täuschend echt aussehende Brustwarze zu formen. Und der Warzenhof wird als krönender Abschluss meist tätowiert. Damit sie sich wieder ganz als Frau fühlen kann.