Rund ein Prozent aller Krebserkrankungen entfallen auf das Schilddrüsenkarzinom. Die genauen Ursachen für dessen Entstehen sind nicht bekannt. Als Risikofaktoren gelten radioaktive Strahlung und in geringerem Maße Jodmangel. Dieser kann die Entstehung von meist gutartigen Knoten begünstigen.

In seltenen Fällen könne diese aber zu Tumoren mutieren. Bei einer Variante des Karzinoms scheint zudem eine erbliche Komponente zu bestehen. Generell sind Frauen doppelt so häufig davon betroffen wie Männer. Die Erkrankung tritt vor allem im Alter zwischen 30 und 60, besonders häufig zwischen 50 und 60 Jahren auf.

Erkrankung verläuft lange symptomfrei

Erst bei einem Fortschreiten des Tumors kommt es zur Entwicklung tastbarer Knoten und der Vergrößerung der Drüse. Als weitere mögliche Anzeichen gelten Druckgefühl im Hals, Heiserkeit, Hustenreiz und Schluckbeschwerden. Eine Vergrößerung der Lymphknoten im Halsbereich kann ebenfalls auftreten.

Erschwert wird die Diagnose nicht nur durch die relativ unspezifische Symptomatik. Wird ein Knoten entdeckt, gilt es zusätzlich zwischen einer gutartigen Veränderung und einem Karzinom zu unterscheiden.

Wie wird die Diagnose gestellt?

Im Regelfall steht die Krankengeschichte am Beginn der Diagnose: Der Fokus liegt dabei auf erhaltenen Strahlentherapien oder Erkrankungsfällen in der Familie. Treten bei einer Tastuntersuchung Auffälligkeiten auf, sind weiterführende Maßnahmen notwendig. Eine Blutuntersuchung kann dabei Aufschluss über den Zustand und die Funktion der Schilddrüse geben.

Die Ultraschalluntersuchung erlaubt die Bestimmung der Größe und Lage der Schilddrüse. Sie gibt aber auch Auskunft über den Aufbau des Organs. Damit können selbst wenige Millimeter große Knoten erkannt werden. Die Szintigraphie der Schilddrüse kann dabei noch zusätzlich – zu Lage, Größe, Form und Veränderungen – Informationen über die Aktivität von Knoten liefern.

Dazu wird dem Patienten eine schwach radioaktive Substanz injiziert – meist Jod oder Technetium –, die von den Schilddrüsenzellen aufgenommen wird. Die Strahlenbelastung liegt dabei unter jener einer herkömmlichen Röntgenuntersuchung.

Entnahme der Knoten sichert die Diagnose

Besonders hilfreich ist diese Form der Diagnose für die Auswahl eines Knotens für eine Feinnadelbiopsie. Durch die Entnahme von Gewebe lässt sich bestimmten, ob es sich um eine gut- oder bösartige Veränderung handelt. In den meisten Fällen kann ein Karzinom so bestimmt bzw. bei einer unauffälligen Biopsie mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit ausgeschlossen werden.

Sicherste Form der Diagnose ist allerdings die Entnahme des gesamten Knotens, da diese eine exaktere Beurteilung erlaubt. Gerade beim Fortbestehen von Symptomen trotz einer negativen Diagnose wird daher oft eine operative Entfernung suspekter Knoten vorgenommen. Mit rund 10.000 solcher Operationen pro Jahr handelt es sich dabei hierzulande um einen Routineeingriff.

Das Sechs-Augen-Prinzip

Da die operative Entfernung des Tumors das Hauptziel der Behandlung darstellt, kommt dem Tumorboard eine besondere Rolle zu. Dieses besteht aus FachärztInnen der Chirurgie, Pathologie und Nuklearmedizin. Das erhöht die Sicherheit der Diagnose und die Qualität der individuell auf den Patienten abgestimmten operativen Therapie.

PatientInnen profitieren daher im besonderen Maße von interdisziplinären Behandlungszentren und deren stark kooperativ ausgerichteten Abteilungen. Die Zusammenarbeit der einzelnen Abteilungen endet aber nicht vor dem OP-Saal: Selbst während einer Operation kann der Pathologe gerade entnommenes Material untersuchen. Abhängig vom Befund kann die weitere Behandlungsstrategie noch während des Eingriffs angepasst werden.

Im Regelfall wird zur Entfernung des Tumors, die gesamte Schilddrüse entnommen. Beim Befall von Lymphknoten müssen auch diese entfernt werden. Bei sehr kleinen Karzinomen ist es dagegen möglich, lediglich den Tumor selbst zu entnehmen.

Zur Nachbehandlung erfolgt oftmals eine Radiojodtherapie, um möglicherweise im Körper verbliebene Tumorzellen abzutöten. Bei Karzinomen, die durch Operation und Radiojodtherapie nicht vollständig bekämpft und entfernt werden konnten, greift man häufig auf die konventionelle Strahlentherapie zurück.

Hohe Heilungschancen bei differenzierten Karzinomen

Die Heilungschancen hängen stark von der Art des Tumors und dem Zeitpunkt der Diagnose ab. Am besten sind die Heilungsaussichten bei differenzierten Karzinomen, gefolgt von follikulären und medullären Karzinomen. Bei undifferenzierten Schilddrüsenkarzinomen überleben dagegen nur wenige Menschen das erste Jahr nach der Diagnose.

Aufgrund der Gefahr eines Wiederauftretens der Erkrankung ist eine konsequente Nachsorge und die Einhaltung regelmäßiger Kontrolluntersuchungen von besonderer Bedeutung.

Eine aktive Vorsorge ist aufgrund der ungewissen Ursachenlage schwierig. Mit der allgemeinen Gesundheitsformel – ausreichend Bewegung und ausgewogene Ernährung – ist man aber in jedem Fall gut beraten.