Aus meiner Erfahrung die ich während der 5 jährigen Krankheit meines Mannes machen konnte – hat die Erkrankung seinem und meinem Leben einen anderen Blickwinkel auf viele Dinge eröffnet. Man beginnt natürlich einiges zu hinterfragen – das bisherige Leben, die Freunde, die Arbeit,  aber auch den Grund für die Erkrankung: „Warum gerade ich“?Banale Dinge, wie z.B. neue Hausschuhe für das Spital, sind plötzlich sehr wichtig. Man will einfach als Angehöriger nicht wahrhaben, dass das Leben ab diesem Moment nicht mehr so sein wird, wie es einmal war. Aber wird es nur traurig, schmerzhaft und trostlos sein?
 

Für PatientInnen beginnt nach der Diagnose eine Maschinerie anzulaufen und er kommt dadurch wenig zum Nachdenken. Untersuchungen, Operation, Therapien, Gespräche etc. bestimmen den Alltag – und was passiert mit dem Angehörigen? Der ist meistens allein gelassen in einer ungewissen Situation, bestrebt auch etwas für den nahestehenden Menschen zu tun, ihm zu helfen, ihn zu unterstützen.

In dieser Situation habe auch ich mich befunden und lange überlegt, womit ich meinem Mann in dieser schwierigen und belastenden Situation Freude und Ablenkung bereiten  könnte. So fiel mir eines Tages ein, dass mein Mann, der Veterinärmedizin studiert hatte, gerne auch Schauspieler geworden wäre und sein Interesse dem Theater, der Literatur galt. Sein Wunsch auf eine Schauspielschule zu gehen, ging im arbeitsreichen Alltag unter.

Aber nun hatte sich der Alltag ja geändert und so entschied ich, ihn in einer Schauspielschule anzumelden. Nach anfänglichem Zögern fand er enorme Begeisterung, Ablenkung und Entspannung  in diesen Stunden und plötzlich war neben Arbeit und Therapie auch dafür noch Zeit. Einem  glücklichen Zufall  war es zu verdanken, dass er die Gelegenheit bekam, an einigen Aufführungen im Theater in der Josefstadt als Statist auf der Bühne zu stehen, die Proben  mitzumachen und einfach „Theaterluft“ zu atmen.

Neue Freundschaften entstanden – und mein Mann war gelöst und glücklich wie selten in seinem Leben davor. Die Krankheit hatte ihm die Chance gegeben, einen lang gehegten Traum zu erfüllen. Nebenbei war es auch noch Therapie, denn nicht nur einmal brachte ich ihn mit Fieber und Unwohlsein ins Theater und konnte ihn nach der Vorstellung gesund und glücklich abholen.

Was ich damit sagen möchte: wenn man vor Augen hat, dass das Leben enden wollend ist (was wir ja eigentlich nicht wahrhaben wollen), so sollten wir die verbleibende Zeit nützen, um bewusst zu leben und Dinge zu machen, die wir aus verschiedenen Gründen verabsäumt oder hinausgezögert haben. Ich denke, dass dies enorm hilft, die Erkrankung und Therapie besser zu er- bzw. zu vertragen und als Angehöriger hat man die Chance zu helfen, vielleicht mit der Verwirklichung geheimer Träume.

In unserem Fall nahm die Erkrankung leider einen tödlichen Verlauf, doch die Zeit bis dahin war erfüllt mit vielen positiven und beglückenden Ereignissen. Die Krankheit hat meinem Mann und mir sehr viel Kraft und Mut  gegeben, was ich nach seinem Tode auch gut gebrauchen konnte.

UNTERSTÜTZUNG UND HILFE

Im Jahre 2004 hat mein Mann, Dr. Martin Thurnher, die erste und bisher einzige Selbsthilfegruppe für DarmkrebspatientInnen gegründet, die ich – nach seinem Tod – nun schon seit über zehn Jahren weiterführe. Eine Aufgabe, die mich sehr erfüllt und mir große Freude bereitet. Und auch mein Leben hat dadurch eine Wendung genommen.

AUFGABEN DER SH-DARMKREBS – www.selbsthilfe-darmkrebs.at

Die „Selbsthilfe-Darmkrebs“ bietet kostenlose Beratung und Information für Betroffene und ihre Angehörigen.

Mein besonderes Anliegen ist es nun, die Menschen in verschiedensten Veranstaltungen (Infotage der Darmgesundheit, PatientInnentreffen, Vorträge, Benefiz-Matinee etc.) zur Vorsorge zu bewegen, die Angst vor der Koloskopie zu nehmen, um so den schwierigen Weg durch Operationen, Chemotherapie etc. zu ersparen – dem Patienten, der Familie, den Angehörigen!

Durch rechtzeitige Vorsorge wäre diese Erkrankung zu verhindern! Die Koloskopie ist heute unkompliziert und völlig schmerzfrei durchzuführen und nimmt nicht viel Zeit in Anspruch, die Therapie hingegen dauert oft Jahre und deren Ausgang ist meist ungewiss!

Helga Thurnher

E-Mail: info@selbsthilfe-darmkrebs.at

Web: www.selbsthilfe-darmkrebs.at