Univ. Prof. Dr. Michael Gnant
Vorstand der Universitätsklinik für Chirurgie Wien, Leiter Brustgesundheitszentrum Wien, Medizinische Universität Wien

Diagnose Brustkrebs: Das ist für Patientinnen erst einmal ein großer Schock. Viele fürchten sich vor einer Mastektomie, also der Abnahme der gesamten Brust. Dabei sind Mastektomien inzwischen praktisch die Ausnahme, wie Univ. Prof. Michael Gnant berichtet.

„Wir haben heute eine Brusterhaltungsrate von rund 90 Prozent“, erklärt der Brustkrebs-Experte. Denn in den letzten Jahren haben sich die Therapien enorm weiter entwickelt. Im Zentrum der Behandlung des Mammakarzinoms steht aber immer noch die Operation zur Entfernung des Tumors und des ‚Sicherheitsabstand‘ - Gewebes rundherum. 

 

Kosmetisch ansprechend

„Beim Mammakarzinom gilt hier der Grundsatz der möglichst hohen Unversehrtheit“, so Gnant. Denn die Brust spielt als Organ auch eine Rolle im weiblichen Selbstverständnis, deren Erhaltung und ästhetisch anspruchsvolle Operation ist auch aus psychologischen Gründen wichtig. Dabei setzt die moderne Medizin vor allem auf interdisziplinäre Zusammenarbeit. „Heute macht man keine primäre Brustamputation mehr, ohne zumindest den Versuch zu unternehmen, die Situation durch eine tumorverkleinernde Therapie zu verbessern. Das bringt meist auch kosmetisch ansprechende Ergebnisse“, meint der Experte.

 

Kaum invasiv

Angst vor dem chirurgischen Eingriff brauchen Patientinnen aufgrund der kaum invasiven Methoden eigentlich keine zu haben. Zumeist sind sie nach wenigen Stunden wieder auf den Beinen, und können nach ein oder zwei Tagen das Krankenhaus wieder verlassen Auch Lymphknoten – wo sich häufig die ersten Metastasen bilden – werden nicht mehr so aggressiv wie früher entfernt. Ebenfalls zum Standard gehört bei einer brusterhaltenden Operation die Strahlentherapie. In kleinen, über mehrere Tage verteilten und daher gut verträglichen Dosen werden vorbeugend letzte versteckte Tumorzellen abgetötet.