Univ.-Prof.Dr. Paul Sevelda
Präsident der Österreichischen Krebshilfe

Die Entstehung von Krebs ist ein komplexer Prozess, dem vielfältige Ursachen zugrunde liegen. Warum wir tatsächlich an Krebs erkranken, ist noch weitgehend unerforscht. Jeder Mensch kann aber einen Beitrag dazu leisten, sein persönliches Risiko zu reduzieren: durch einen gesunden Lebensstil (Nichtrauchen, wenig Alkohol, gesunde Ernährung, regelmäßige Bewegung, Vermeidung von Übergewicht, vernünftiger Umgang mit Sonnenbestrahlung usw.) und die Impfung gegen HPV. Leider ist das aber keine Garantie, nicht an Krebs zu erkranken. Wichtig ist, dass die Möglichkeit von Krebsfrüherkennungsuntersuchungen wahrgenommen wird (z.B. Mammografie, Darmspiegelung, Krebsabstrich etc.), denn die Behandlung von Vorstufen bzw. des Frühstadiums einer Krebserkrankung steigert die Heilungschancen erheblich und ist für PatientInnen auch weniger belastend.

Die Angst vor der Diagnose

Die Diagnose „Krebs“ ist immer ein Schock. Schwärzeste Phantasien tauchen auf und eine emotionale Achterbahn belastet PatientInnen und Angehörige. Viele haben auch Angst davor, dass die Lebensqualität zwangsläufig schlecht sein muss. Dies mag zwar zu bestimmten Zeitpunkten so sein - gilt aber nicht generell - und hängt vom medizinischen Verlauf der Erkrankung genauso ab wie vom Zusammenspiel zwischen Arzt und Patient, der medizinischen und pflegerischen Versorgung und wie es Patienten und Angehörigen gelingt, mit der Krankheit zurechtzukommen. Eine gute Lebensqualität geben Betroffene meist dann an, wenn sie mit den momentanen Umständen zufrieden sind. Das erfordert unter Umständen aber auch ein Akzeptieren von Einschränkungen und Verlusten und andererseits einen Blick für das, was dennoch möglich ist. Die Einschätzung der Lebensqualität hängt aber auch vom allgemeinen psychischen Wohlbefinden (Angst, Depression etc.), sozialen Beziehungen (Freundschaften, Familie etc.) und Leistungsfähigkeit im Alltag (Beruf, Freizeit etc.). Psychologische Hilfe - für PatientInnen wie für Angehörige - ist eine wichtige Unterstützung im Verlauf einer Krebserkrankung. Die Krebshilfe-BeraterInnen sind psychoonkologisch erfahrene klinische und GesundheitspsychologInnen, die sich Zeit nehmen, zuhören und konkret helfen.

Zurück in den Alltag

Für den Großteil der Patienten steht aber nicht „nur“ die Krankheitsbewältigung im Mittelpunkt, sondern immer mehr sorgen sich auch um ihre materielle Existenz. Betroffene werden aus dem Arbeitsleben gerissen und fürchten – in vielen Fällen zu Recht - um ihre berufliche Zukunft. Auch nach dem Ende der oft monatelangen Krebstherapien können PatientInnen meist noch nicht nahtlos wieder in den (Berufs-) Alltag einsteigen. Die körperliche Leistungsfähigkeit ist häufig noch immer beeinträchtigt und auch psychische Probleme belasten. Allerdings würde die Mehrheit aller KrebspatientInnen einen stufenweisen Wiedereinstieg sehr begrüßen. Deshalb wird eine Vereinbarkeit von Krebs & Beruf in Form eines „Teilzeitkrankenstandes“ bzw. eines „stufenweisen Wiedereinstiegs in den Beruf nach Krebs“ gefordert. In Österreich ist diese leider immer noch nicht vorgesehen.

Lebensqualität nach der Behandlung

Trotz großer Fortschritte in der Krebstherapie verlieren leider immer noch 25-30 Prozent aller PatientInnen den Kampf gegen Krebs. Doch auch wenn die Heilung einer weit fortgeschrittenen Krebserkrankung nicht möglich ist, bedeutet das nicht das Ende aller medizinischen Maßnahmen, im Gegenteil: Die Palliativmedizin und Palliativpflege konzentriert sich auf Schmerz- und Symptombehandlung sowie die Linderung von psychischen, sozialen und spirituellen Problemen – mit dem Ziel, eine größtmögliche Lebensqualität für PatientInnen und Angehörige zu gewährleisten. Wir erleben es täglich in der Betreuung von PatientInnen und Angehörigen, wie wichtig Palliative Care ist und setzen uns dafür ein, dass es hier zu einem deutlichen und dringend notwendigen Ausbau von Stationen, aber auch zu einer notwendigen Aufklärung und Schulung von MedizinerInnen und Pflegepersonal kommt.