Prim.Univ.Prof.Dr.Wolfgang Pohl
Abteilungsvorstand, Abteilung für Atmungs- und Lungenkrankheiten, Krankenhaus Hietzing

Lungenkrebs hat meist einen Grund

„Lungenkrebs ist eine bösartige Erkrankung, die durch eine Entartung von Lungenzellen entsteht und sehr häufig zum Tod führt“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Wolfgang Pohl, Primarius der Abteilung für Atmungs- und Lungenerkrankungen des Krankenhaus Wien-Hietzing. Die Entstehung eines Lungenkrebses kann durch unterschiedliche Faktoren beeinflusst werden.Primär sind das Umweltfaktoren, das heißt es gibt meist einen Grund für die Erkrankung.

„In erster Linie ist hier das Rauchen zu erwähnen. Mehr als 80 Prozent der Patienten mit Lungenkrebs sind oder waren Raucher“, lässt Prof. Pohl keine Zweifel an der Hauptursache dieser schweren und oft tödlichen Erkrankung. Vereinzelte Fälle lassen sich auch auf chronische, starke Feinstaubbelastung oder eine Asbestvergiftung zurückführen. 

 

Wenn man ihn spürt, ist es meist zu spät

An Lungenkrebs sterben jährlich mehr Menschen als an Brustkrebs, Prostatakrebs und Dickdarmkrebs zusammen.Die Hauptursache für diese alarmierende Entwicklung ist laut Prof. Pohl eine oftmals nicht mögliche Früherkennung. „Die Patienten mit Lungenkrebs gehen meist erst im fortgeschrittenen Stadium zum Arzt, da sie lange Zeit unter keinerlei Beschwerden leiden. Leider ist es daher äußerst selten, noch kurativ, also auf eine Heilung ausgerichtet, eingreifen zu können.“ Laut Prof. Pohl liegt das daran, dass Betroffene den Krebs sehr lange Zeit nicht spüren und daher gar nicht wissen, dass sie bereits lebensgefährlich erkrankt sind. Im Frühstadium wird eine Lungenkrebserkrankung meist ganz zufällig entdeckt.„Wenn der Krebs dann beginnt, Schmerzen zu machen oder der Patient deutliche Atemnot bekommt, ist bereits miteiner deutlichen Metastasenbildung zu rechnen.“

 

Lungenkrebs bei Frauen auf dem Vormarsch

Gegensätzlich zu anderen Krebsarten ist vom Lungenkrebs nicht hauptsächlich ein Geschlecht betroffen, bei jungen Frauen steigt die Gefährdung sogar deutlich an. Dazu Prof. Pohl: „Es ist hier in den letzten Jahren eine sehr interessante Entwicklung zu beobachten. In Österreich entwickeln sich die Zahlen der von Lungenkarzinomen betroffenen Frauen mit einer steigenden Neuerkrankungs- und Sterberate besonders ungünstig.“ Doch wo liegen die Ursachen für diese Entwicklung? „Patientinnen werden interessanterweise nicht nur immer jünger, sondern sind oft auch noch Nichtraucher. Um die Gründe für diese Entwicklung zu erfassen, muss man sich neben dem häufigen Übel des Passivrauchens auch die Genetik ansehen. Dort finden wir gewisse Mutationen vor, die bei Frauen häufiger vorkommen und das Risiko, an Lungenkrebs zu
erkranken, deutlich erhöhen.“ 

 

Prävention ist alles

Zur Senkung des Risokos an Lungenkrebs zu erkranken, stellt Prof. Pohl  klar: „Die Früherkennung des Lungenkarzinoms für mich gleichzusetzen mit der Vorbeugung und Prävention. Man muss Rauchern immer wieder mitteilen, dass sie sich auf der Abschussrampe in Richtung eines bösartigen Tumors befinden.“