Univ. Prof. Dr. Paul Sevelda
Präsident der Österreichischen Krebshilfe vorstand der Abteilung für Gynäkologie und Geburtshilfe am KH Hietzing Leiter der Karl Landsteiner Institutes für gynäkologische Onkologie und Senologie

Trotz großer Erfolge bei einzelnen Krebserkrankungen durch Fortschritte in der Therapie muss es das wichtigste Ziel sein, die Entstehung von Krebs zu verhindern. Wir gehen heute davon aus, dass etwa 30 % aller Krebserkrankungen durch präventive Maßnahmen in ihrer Entstehung hätten verhindert werden können.

 

Was sind nun die präventiven Maßnahmen, die die Krebsentstehung in einzelnen Organen verhindern könnten?

Regelmäßige körperliche Aktivitäten können nicht nur Herz- Kreislauferkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie die Zuckerkrankheit, sondern auch Krebserkrankungen in ihrer Entstehung verhindern. Es genügt dabei 3 Mal die Woche für etwa eine Stunde den Körper durch Wandern, Laufen, Spazierengehen oder sportliche Aktivitäten zu bewegen. 

Eine ausgewogene gesunde Ernährung mit ausreichendem Anteil an Obst, Gemüsen und Salaten sollte eine wichtige Grundlage unserer Ernährungsgewohnheiten sein. Sparsam sollten wir mit tierischen Fetten und hohem Anteil an Kohlehydraten umgehen. Auch balaststoff reiche Ernährung ist vor allem für die Darmtätigkeit und Verdauung zu empfehlen. Darmkrebs zählt zu den häufigsten Krebserkrankungen in Österreich. Dieser Krebs entwickelt sich zumeist über einen längeren Zeitraum von mehreren Jahren aus Darmpolypen die man mit der Darmspiegelung gut erkennen und vor allem auch leicht entfernen kann. Es wird daher auch die Darmspiegelung um das 50. Lebensjahr als wichtige Präventionsmaßnahme empfohlen. Wenn dabei keine Polypen entdeckt werden, genügt es diese Untersuchung alle 7-10 Jahre zu wiederholen. Die Darmspiegelung wird heute als sanfte Kolonoskopie so angeboten, dass die Untersuchung völlig schmerzfrei in einer Art Kurzschlaf durchgeführt wird.

Das Vermeiden von aktivem aber auch passivem Rauchen ist besonders wichtig. Das Rauchen ist heute der bedeutendste Faktor für viele Krebserkrankungen, nicht nur der Lunge sondern auch der Atemwegserkrankungen, aber auch für Gebärmutterhalskrebs und weitere Krebserkrankungen. Auch Alkohol stellt eine Gefährdung dar, wenn er in größeren Mengen konsumiert wird. Ein 1/8 Wein pro Tag hat sogar auf manche Erkrankungen einen positiven Einfluss, aber eine darüber hinausgehende Menge sollte vermieden werden. Schließlich empfehlen wir auch das Vermeiden direkter und übermäßiger Sonneneinstrahlung auf die Haut, da dadurch das Erkrankungsrisiko für Hautkrebs deutlich erhöht wird. Hier sind besonders unsere Kinder empfindlich und sollten unbedingt vor Sonnenbränden aber auch vor direkter Sonneneinstrahlung geschützt werden.

 

„Neben Prävention und Vorsorge ist vor allem auch die Früherkennung für alle Menschen wichtig.“

 

Erst seit wenigen Jahren steht uns eine Impfung zur Verfügung, mit der die Entstehung von Krebs verhindert werden kann. Es ist dies die Impfung gegen Humane Papillomaviren. Die HPV Impfung wird für Mädchen ab dem 12. Lebensjahr empfohlen und bereits in ALLEN europäischen Staaten der ehemaligen westlichen Welt in Form staatlich unterstützter Impfprogramme durchgeführt. Nur in Österreich, obwohl wir als 1. Europäisches Land die Impfung empfohlen haben, existiert diese wichtige präventive Maßnahme praktisch nicht. Humane Papillomaviren kommen sehr häufig vor, verursachen keine Symptome, können aber bei anhaltender Besiedelung einerseits zu Warzen vor allem im Genitalbereich führen, aber auch bei Mädchen zu Vorstufen des Gebärmutterhalskrebs und in weiterer Folge zu Gebärmutterhalskrebs führen. 

Obwohl wir durch den regelmäßigen jährlichen Krebsabstrich zumeist die Vorstufen so früh entdecken, dass man mit einem kleineren Eingriff die Frau heilen kann, verursacht schon alleine der Verdacht und dann auch die Operation selbst große Verunsicherung. Auch hat dieser „kleine“ Eingriff manchmal schwerwiegende Folgen wie nachfolgende Sterilität, Frühgeburtlichkeit bei einer nachfolgenden Schwangerschaft, oder auch der Verlust der Gebärmutter. Durch die HPV Impfung könnten etwa 80 % der Gebärmutterkrebsfälle verhindert werden sowie etwa 50 % der Operationen wegen Krebsvorstufen.

Das wären alleine in Österreich etwa 2 500 Operationen an jungen Frauen jährlich sowie etwa 300 Gebärmutterhalskrebsfälle pro Jahr die vermieden werden könnten.

 

Zusammenfassend kann jeder Mensch sein Leben so gestalten, dass er sein persönliches Krebserkrankungsrisiko deutlich reduziert. Daher ist neben der Prävention und Vorsorge vor allem auch die Früherkennung für alle Menschen wichtig.