Univ.-Prof. Dr. Paul Sevelda
Präsident der österreichischen Krebshilfe

Gerade war die Welt noch in Ordnung, nichts deutete auf eine Erkrankung hin und dann plötzlich: „Krebs“. Die Diagnose trifft meist wie ein Blitz und verängstigt und schockiert PatientInnen und Angehörige wie kaum eine andere Erkrankung. Meist wird alles, was jemals zum Thema Krebs gehört wurde, abgerufen. Angst, Wut, Verzweiflung, Ungewissheit – für die meisten eine emotionale Achterbahn. Viele Fragen tauchen auf, viele Antworten werden gesucht... Wie soll es weitergehen? Wie geht es weiter? Rund 40.000 Menschen bekommen jährlich in Österreich die Diagnose einer Krebserkrankung gestellt. Viele Menschen können dank der Früherkennungsmöglichkeiten („Vorsorgeuntersuchungen“) und modernster Therapien geheilt werden. Dort wo leider keine Heilung möglich ist, gelingt es aber zunehmend, Krebs zu einer „chronischen“ Langzeiterkrankung bei bestmöglicher Lebensqualität zu machen.

Die moderne Medizin ist wirksamer und besser verträglich

Wir können heute die individuelle Krebserkrankung besser charakterisieren und individueller behandeln. Dies bedeutet nicht nur deutlich höhere Heilungsaussichten, sondern oft auch geringere Nebenwirkungen. Neben der sogenannten personalisierten medikamentösen Tumortherapie hat aber auch die operative Therapie wesentliche Fortschritte gemacht. So können wir heute z.B. 85 Prozent aller Brustkrebserkrankungen brusterhaltend operieren, ein künstlicher Darmausgang bei Dickdarmkrebs ist heute die seltene Ausnahme. Die Operationen sind wesentlich sicherer geworden und auch weniger ausgedehnt, sodass die Folgewirkungen heute im Vergleich zu früher geringer sind. Aber auch die dritte Säule in der Krebstherapie - die Strahlentherapie - kann heute viel gezielter und punktgenauer eingesetzt werden, sodass auch hier die Nebenwirkungen entscheidend reduziert werden konnten. Unterstützende Maßnahmen gegen bekannte Nebenwirkungen der Therapien konnten die Verträglichkeit aller Behandlungen wesentlich verbessern, sodass trotz der Diagnose Krebs in den allermeisten Fällen ein qualitätvolles Leben auch während der Therapie möglich ist.

Früherkennung kann Leben retten!

Leider verlieren aber auch rund 20.000 Menschen jährlich den Kampf gegen den Krebs. Dabei könnten tausende Leben gerettet werden, wenn die Erkrankung früh erkannt worden wäre. Es gibt Krebsarten, die man weitgehend vermeiden kann, z.B. Darmkrebs durch eine rechtzeitige Darmspiegelung, empfohlen für Männer und Frauen ab dem 50. Lebensjahr alle 7-10 Jahre, und Gebärmutterhalskrebs durch die HPVImpfung und den jährlichen Krebsabstrich. Die meisten Krebsarten können aber in ihrer Entstehung leider nicht vermieden werden (z.B. Brustkrebs, Hautkrebs). Hier spielt die Früherkennung trotzdem eine wichtige Rolle (Mammografie ab dem 40. Lebensjahr im Abstand von zwei Jahren). Und der vernünftige Umgang mit der Sonne ist der wichtigste Teil der Hautkrebs-Vorsorge.

Reduzieren Sie Ihr persönliches Krebsrisiko!

Jeder Mensch kann einen Beitrag dazu leisten, sein persönliches Risiko durch einen gesunden Lebensstil (gesunde Ernährung, Nichtrauchen, vernünftiger Umgang mit Alkohol) zu reduzieren. Etwa 25 Prozent aller Krebsfälle weltweit gehen auf das Konto von Übergewicht und Bewegungsmangel. Doch vor allem: Rauchen Sie nicht! Von den über 4.000 Chemikalien im Tabakrauch sind über 50 Substanzen krebsfördernd.