Jährlich erkranken in Österreich etwa 40.000 Menschen an Krebs und jedes Jahr sterben 20.000 daran. Die Anzahl der Krebserkrankungen ist leicht steigend, erfreulicherweise verbessert sich die Sterblichkeit von Jahr zu Jahr. Heute können wir davon ausgehen, dass etwa 50 Prozent aller Erkrankten überleben.

Vorsorge durch gesunden Lebensstil und Impfungen

Jeder Mensch kann einen wesentlichen Beitrag leisten, sein persönliches Krebserkrankungsrisiko zu minimieren. Vermeidung von Fettleibigkeit durch vernünftige Ernährung, regelmäßige körperliche Aktivität tägliche für 30–60 Minuten, der Verzicht auf aktiven und passiven Nikotinkonsum und seit neuestem auch die Möglichkeit, das Entstehen einer Krebserkrankung durch die HPV-Impfung (Humane Papilloma Virus) und Hepatitis-B-Impfung zu verhindern.

Sinnvolle Früherkennung verbessert die Heilungschancen und senkt die Sterblichkeit

Der jährliche Krebsabstrich der Frau, die sogenannte PAP-Untersuchung hat die Zahl der Gebärmutterhalskarzinome in den letzten 50 Jahren dramatisch gesenkt. War der Gebärmutterhalskrebs Anfang des letzten Jahrhunderts noch häufiger als Brustkrebs, ist es heute eine Erkrankung, die in den meisten Fällen bereits als Vorstufe entdeckt wird und dann durch einen relativ kleinen Eingriff auch zu nahezu 100 Prozent geheilt werden kann.

Die Früherkennung von Brustkrebs durch die Mammographie konnte ebenfalls zeigen, dass dadurch die Heilungschancen bei Brustkrebs, die generell sehr hoch sind, noch weiter verbessert werden können. Seit 2014 haben wir auch in Österreich ein Brustkrebs- Früherkennungsprogramm, wo jede Frau zwischen 45 und 69 Jahren zur kostenlosen Mammographie eingeladen wird.

Das Dickdarmkarzinom und seine Vorstufe die Darmpolypen können durch die Darmspiegelung so früh entdeckt und behandelt werden, dass es gelingt, die Sterblichkeit dieser Krebserkrankung deutlich zu senken. Leider nehmen nur 20-30 Prozent der Bevölkerung dieses Vorsorgeprogramm an. Bei Bauchspeicheldrüsenkrebs, Eierstockkrebs und auch beim Gebärmutterkörperkrebs gibt es leider noch keine sinnvolle Vorsorge.

Die moderne personalisierte Krebsbehandlung

Die Krebsbehandlung basiert auf operativen, strahlentherapeutischen und medikamentösen Therapien. In einem interdisziplinären Tumorboard wird unter Beteiligung der involvierten Fächer für die individuelle Person jeweils der optimale Therapieplan erstellt.

Im Tumorboard sitzen die Organfächer (z.B. Gynäkologen, Urologen, Chirurgen, Dermatologen etc.), Strahlentherapeuten, internistische Onkologen, Pathologen, Radiologen, Psychoonkologen und das onkologische Pflegepersonal. Die Grundlage für die Entscheidung ist der wissenschaftliche Nachweis der besten Wirksamkeit.

Die endgültige Entscheidung über die durchzuführende Behandlung wird im persönlichen Gespräch mit der betroffenen Person und mit dem behandelnden Arzt getroffen. Allgemeinzustand, mögliche Begleiterkrankungen und vor allem auch die persönliche Einstellung der erkrankten Person finden hier Berücksichtigung. Am Ende der Information und Aufklärung ist für die Durchführung des Therapieplanes die ausdrückliche Zustimmung des Patienten erforderlich.

In den vergangenen Jahren hat sich die Krebstherapie wesentlich weiterentwickelt. Durch die Forschung und vor allem auch durch zahlreiche klinische Studien konnte die operative und strahlentherapeutische Therapie individueller auf die jeweilige Krebserkrankung abgestimmt werden. Dadurch haben sich die Verträglichkeit und auch die Radikalität der operativen Eingriffe wesentlich verbessert.

Den größten Fortschritt sehen wir heute allerdings bei der medikamentösen Tumortherapie. Durch das Verständnis der molekularbiologischen Grundlagen für das Tumorwachstum ist es gelungen, sogenannte zielgerichtete Therapien zu entwickeln. Darunter verstehen wir Therapien, die auf den individuellen Tumor an bestimmten molekularbiologischen Prozessen ansetzen und dadurch das Wachstum von Krebszellen stoppen können.

Diese Therapien zeichnen sich durch besonders hohe Wirksamkeit aus und sind meist zusätzlich deutlich besser verträglich als die herkömmliche Chemotherapie. Allerdings ist diese Therapie nur bei genau definierten Tumorerkrankungen einsetzbar. Es ist jedoch zu erwarten, dass die Forschung in absehbarer Zeit weitere zielgerichtete Therapien in die klinische Routine bringen wird.