Sie betreuen die Qualitätssicherung der Darmkrebs-Vorsorgeuntersuchungen. Was kann man sich darunter vorstellen?

Ärzte haben die Möglichkeit, bei uns ein Qualitätszertifikat für die Darmkrebsvorsorge zu erwerben. Da sich die Vorsorgeuntersuchung ja an gesunde PatientInnen richtet, muss die Qualität stimmen. Die Ärzte unterstützen wir mit kontinuierlichen Evaluierungen, aber auch mit entsprechenden Tipps und Best-Practice-Beispielen. Generell lässt sich festhalten, dass sich die Qualität der Untersuchungen in den letzten Jahren deutlich verbessert hat.

Dennoch haben viele PatientInnen aber eine gewisse Scheu vor einer Darmspiegelung?

Ja, leider. Diese stammt noch aus der Zeit vor zwanzig bis dreißig Jahren als die Endoskope noch recht dick und starr waren. Mittlerweile sind sie so dünn wie ein Finger. Rund 90 Prozent aller Koloskopien lassen sich damit schmerzfrei durchführen. Aus rein medizinischer Sicht ist die Sedierung (Anm.: Dämmerschlaf) in den meisten Fällen daher nicht notwendig.

Die Untersuchung ist aber noch immer mit einer gewissen Scham bzw. mit der Angst vor möglichen Schmerzen verbunden. Daher ist es besser, PatientInnen lassen sich sedieren, anstatt gar nicht erst hinzugehen.

Wann ist sie dennoch ratsam?

Schlanken Frauen empfehle ich eine Sedierung, da die Darmwindungen dann besonders eng liegen. Auch PatientInnen, die sich nicht ganz sicher sind, würde ich eine solche empfehlen. Es ist aber auch möglich die Untersuchung, ohne Sedierung zu beginnen. Sollten sich PatientInnen unwohl fühlen, kann man währenddessen auch noch eine Spritze setzen.

In den meisten Fällen verwendet man Propofol. Das ist ein recht sanftes, aber effektives Betäubungsmittel. Der Patient schläft dann binnen zwei bis drei Minuten ein. In Österreich nehmen 87 Prozent aller PatientInnen das Angebot des Dämmerschlafs in Anspruch.

Was passiert bei einer Koloskopie?

Die Mehrheit aller Darmkarzinome entwickelt sich aus Polypen. Das sind gutartige Wucherungen der Darmschleimhaut. Die Vorsorgeuntersuchung dient der Erkennung solcher Polypen, die im Zuge dieser auch gleich entfernt werden. Das ist vollkommen schmerzfrei. Die Dauer der Prozedur hängt sehr stark vom Patienten ab. Verläuft die Untersuchung unauffällig, dauert sie ca. dreißig Minuten. Werden Polypen entdeckt und entfernt, dauert es entsprechend länger.

Wie kann man sich als PatientIn den Ablauf der Darmspiegelung vorstellen?

Im Vorfeld der Koloskopie findet ein Aufklärungsgespräch mit dem Patienten statt. Welche Präferenzen hat der Patient? Wie muss man sich auf die Untersuchung vorbereiten? Wichtig sind hierbei die Diätvorschriften. In der Regel beginnt die Vorbereitung am Vortag, um eine vollständige Darmentleerung zu gewährleisten. Ist die Koloskopie am Nachmittag geplant, genügt die Einnahme des Vorbereitungsmittels am selben Tag.

In beiden Fällen ist es wichtig, nicht die gesamte Menge des Vorbereitungsmittels auf einmal zu trinken. Zwischen beiden Dosen der Vorbereitung sollen 6 Stunden liegen. Das ist die Voraussetzung für den Erfolg der Untersuchung. Nach der Koloskopie bleibt der Patient noch eine Stunde vor Ort zum Aufwachen. Er bekommt einen Termin zur Nachbesprechung, da die Auswertung von Gewebeproben in der Regel ein paar Tage in Anspruch nimmt.

Ab wann sollte man sich untersuchen lassen?

Generell sollte man ab 50, Männer vielleicht sogar schon mit 45, eine Vorsorgeuntersuchung vornehmen. Liegen in der Familie Darmkrebsfälle vor, empfiehlt es sich, sich bereits zehn Jahre vor Erreichen des Erkrankungsalters der Angehörigen untersuchen lassen. Im Regelfall sollte die Untersuchung dann alle zehn Jahre erfolgen. Wurden Polypen entdeckt muss das Kontrollintervall in Abhängigkeit von der Art, der Größe und der Anzahl dieser Polypen vom Arzt festgelegt werden.