Univ. Prof. Dr. Günther Steger
Medizinische Universität Wien – Klinische Abteilung für Onkologie

Auf die Diagnose Krebs reagieren die meisten – Betroffene wie deren Angehörige – schockiert. Sie verbinden damit große Schmerzen, Unheilbarkeit und gesellschaftliche Ausgrenzung. Krebs flößt allen Angst ein. Dennoch: Man sollte Krebs mit Hirn begegnen, nicht mit Reflex. Der Angst ist nur mit sachlicher Aufklärung beizukommen. Deshalb gleich vorweg: Während für die einen Krebsarten die Heilungsaussichten nach wie vor recht trübe sind, gibt es für andere nicht nur wirksame Therapien, sondern vor allem sichere Vorsorgeuntersuchungen. Insbesondere die drei großen Killer Brustkrebs, Prostatakrebs und Darmkrebs lassen sich damit - wohlgemerkt: rechtzeitig erkannt – reduzieren. Vorsorge bedeutet für Frauen hier zum einen die alltägliche Selbstuntersuchung der Brust, zum anderen, der „Einladung“ zum Mammascreening zu folgen. Männer tun sich erfahrungsgemäß schwerer in Sachen Vorsorgeuntersuchung – dennoch sollten sie ihre Prostata regelmäßig checken lassen. Prostatakrebs zählt immerhin zu den tödlichsten Krebsarten bei Männern, gleichwohl er sich bei rechtzeitiger Diagnose gut behandeln lässt. Zur Früherkennung von Darmkrebs rät man beiden Geschlechtern, sich ab dem 50. Lebensjahr etwa alle zehn Jahre untersuchen zu lassen.
Für die Krebsvorsorge gilt: Je früher ein Krebs identifiziert und behandelt wird, desto höher sind die Heilungschancen. Heute geht von kaum einem Krebs mehr eine unmittelbare Todesgefahr aus. Dank großen medizinischen Wissens, umfassender fachlicher Erfahrung und stetig besser werdender Medizintechnik kann man mit so manchem Krebs inzwischen bei guter Lebensqualität leben wie mit einer chronischen Erkrankung – über Jahrzehnte hinweg. Vorausgesetzt, die Behandlung hält den Krebs in Schach.

Vorsorge: Erfahrung und Technik wirksam kombinieren

Hierzulande kann jeder eines der flächendeckend verteilten spezialisierten Tumorzentren, angesiedelt an Universitäten und Krankenhäusern, aufsuchen, um bestmögliche Krebsvorsorge, Therapie und Nachsorge zu bekommen. Wer die Diagnose Krebs erhält, sollte unverzüglich eine solche Einrichtung aufsuchen, denn dort greift das verpflichtende Tumorboard: Bei Krebsverdacht sind alle medizinischen Disziplinen verpflichtet, gemeinsam einen individuellen, interdisziplinären Therapieplan auszuarbeiten. Die medikamentöse Therapie wird dabei abgestimmt auf eine gegebenenfalls nötige chirurgische oder strahlentherapeutische Behandlung. Als Patient profitiert man so maximal von der Krebstherapie, die das geballte medizinische Wissen und die Erfahrung der Kollegen umfasst. Ganz wichtig: Vielen gefürchteten Nebenwirkungen einer Krebstherapie wie Übelkeit, Erbrechen und Schmerzen kommt man heute wirkungsvoll bei. Eine Chemotherapie lässt sich heute zu 95 bis 98 Prozent nebenwirkungsarm bis –frei gestalten.

Gratis-HPV-Vorsorgeimpfung jetzt auch in Österreich

Auch dem Gebärmutterhalskrebs kann man heute wirksam vorbeugen: mit einer Impfung in jungen Jahren. Gerade startete hierzulande die HPV-Impfung im Rahmen des bestehenden Schulimpfprogramms an allen Volksschulen – für Mädchen wie Buben. Denn entgegen der weit verbreiteten Annahme, die HPV-Impfung (durchgeführt mit dem derzeit besten verfügbaren Impfstoff) sei nur für Mädchen gedacht, gilt die Impfempfehlung in Österreich gleichermaßen für Mädchen und Buben. Schließlich sind beide mögliche Überträger der krebsauslösenden Humanen Papillomaviren (HPV). Erwiesenermaßen reduziert die Impfung das Auftreten von Feigwarzen bei beiden Geschlechtern ebenso wie virusbedingte Krebsarten im HNO-Bereich.

Nachsorge ist Vorsorge

Nach der erfolgreichen Krebsbehandlung ist es unerlässlich, die angebotenen Nachsorgemaßnahmen zu ergreifen. Denn eine gründliche Nachsorge ist immer auch Vorsorge – gerade wenn es um die Diagnose Krebs geht.