Welche unterschiedlichen Kopf-Hals-Karzinome gibt es eigentlich?

Grundsätzlich gibt es ganz viele unterschiedliche Arten von Kopf-Hals-Karzinomen. Die meisten treten im Mund-, Rachen- und Kehlkopfraum auf. Es gibt aber durchaus noch seltenere Karzinome wie die Speicheldrüsen-Karzinome. Die häufigste Form hingegen sind sogenannte Plattenepitelkarzinome.

Auf welche Symptome sollte man achten?

Die Symptome bei Kopf-Hals-Karzinomen können unspezifisch sein. Von länger bestehender Heiserkeit über schlechte Wundheilung im Mund – etwa nach Zahnarztbesuchen – bis zu Mundgeruch ist vieles möglich. Ganz klassisch ist auch die schmerzlose Halsschwellung, bei der sich eine Beule bildet, die aber oft keine Beschwerden verursacht. Wenn eine solche Schwellung auftritt und länger als zwei Wochen besteht, sollte ein Arzt aufgesucht werden. Denn dahinter kann ein Kopf-Hals-Karzinom stecken. Gerade, weil es häufig schmerzlos ist, wird es von vielen Betroffenen zu lange ignoriert.

Wie verläuft dann die Diagnose?

Der erste Weg sollte zu einem HNO-Arzt führen. Der Kollege kann sich dann endoskopisch den gesamten Rachen- und Halsraum ansehen. Sollte bei der Untersuchung ein Areal verdächtig wirken oder sich ein Hals-Lymphknoten zeigen, muss Gewebe entnommen werden. Diese Probe wird dann von einem Pathologen untersucht und befundet.

Wie sehen die Risikofaktoren für Kopf-Hals-Karzinome aus?

Die eine große Gruppe sind Raucher, oft in Verbindung mit starkem Alkoholkonsum. Regelmäßiger Alkoholmissbrauch, aber auch das Rauchen fördern die Entstehung von Kopf-Hals-Karzinomen stark. Die andere Gruppe sind Männer, die sich – sexuell durch Oralverkehr übertragbar – mit humanen Papillomvieren infiziert haben. Es gibt also zwei sehr unterschiedliche Arten, wie diese Kopf-Hals-Karzinome entstehen. HPV-basierte Kopf-Hals-Karzinome sind meist am Zungengrund oder an den Gaumenmandel zu finden.

Kommt so etwas häufig vor?

Diese Gruppe ist drastisch am Zunehmen. In den USA sind 80 - 100% der Gaumenmandel-Karzinome auf humane Papillomviren zurückzuführen. In Österreich sind wir bei 50 - 60%. Mittlerweile sind insbesondere in den USA HPV schon für mehr Karzinomfälle bei Männern als bei Frauen, Stichwort Gebärmutterhals-Karzinom, verantwortlich.

Sind Kopf-Hals-Karzinome gut therapierbar?

HPV-assoziierte Karzinome haben eine etwas bessere Prognose als jene, die aufgrund von Rauchen oder Alkoholmissbrauch auftreten. Einen großen Einfluss auf die Therapierbarkeit bzw. auf die Prognose hat auch die Lage des Karzinoms. Einer der wichtigsten Faktoren ist das Stadium der Entdeckung.

Die Zahl der Neuerkrankungen an Kopf-Hals-Tumoren liegt laut Statistik Austria jährlich bei ungefähr 1300 Betroffenen.

Wenn ein Kopf-Hals-Karzinom sehr früh diagnostiziert wird und sich noch keine Lymphknoten-Metastasen gebildet haben, haben wir Heilungsraten von bis zu 90%. Leider werden in Österreich aber nur 30 - 40% der Kopf-Hals-Karzinome im Frühstadium entdeckt. Der Großteil der Patienten ist bei Diagnosestellung schon in einem deutlich fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung. Da sinken dann die Heilungschancen beträchtlich.

Wie sieht eine Therapie aus?

Im Frühstadium reicht meist eine Operation oder eine Strahlentherapie aus. Bei den fortgeschrittenen Stadien genügt eine einzelne Therapie meist nicht mehr. Dann muss eine Operation mit einer postoperativen Strahlentherapie kombiniert werden. Oder eine Strahlen-Chemotherapie kommt zum Einsatz. Das Problem bei fortgeschrittenen Kopf-Hals-Karzinomen ist eine relativ hohe Rückfallquote. Sechs von zehn Patienten werden geheilt, aber bei vier von zehn Patienten kommt es zu einem Rückfall.

Dann ist eine Heilung meist nicht mehr möglich. In diesen Fällen haben wir in den letzten Jahren durch den Einsatz von neuen Immuntherapien jedoch deutliche Fortschritte für die Patienten erzielt. Durch die Immuntherapie wird die Körperabwehr des Patienten aktiviert, um den Tumor zu bekämpfen. Aber auch in früheren Stadien kann den Patienten eine Immuntherapie im Rahmen von klinischen Studien an der Medizinischen Universität Wien angeboten werden.

Gibt es Möglichkeiten, Kopf-Hals-Karzinomen vorzubeugen?

Neben dem Verzicht auf Alkohol und das Rauchen ist die HPV-Impfung für Mädchen und Buben – wie auch im österreichischen Impfplan vorgesehen – sehr sinnvoll. Gerade vor dem ersten sexuellen Kontakt, aber wahrscheinlich auch darüber hinaus, ist es wichtig, mit einer Impfung das Risiko zu minimieren.