Was muss man sich unter dem Begriff Lymphom grundsätzlich vorstellen?

Lymphome sind in der Regel bösartige Erkrankungen des Lymphgewebes. In erster Linie der Lymphknoten, aber auch der Milz. Sie können überall dort auftreten, wo lymphatisches Gewebe vorkommt, also auch in anderen Organen. Kurz zusammengefasst sind sie eine Krebsform des Immunsystems.

Und was passiert da im Körper?

Diese Lymphozyten sind normalerweise dazu da, vor allem Virusinfektionen abzuwehren. Wir vermuten, dass in der Entstehung einiger Lymphome eine chronische Stimulation des Immunsystems, etwa durch chronische Infektionen oder durch Autoimmunerkrankungen, eine Rolle spielt. Wenn das Immunsystem über längere Zeit maximal angekurbelt und stimuliert ist, dann kann es sein, dass es zu „genetischen Unfällen“ kommt, die solche Erkrankungen dann auslösen.

Kann das jeden treffen?

Lymphome sind eher Erkrankungen des höheren Lebensalters. Ab dem fünfzigsten Lebensjahr werden sie immer häufiger, weil auch das Immunsystem einer gewissen Alterung unterliegt und viel mehr solcher Reize durch verschiedene von außen kommende Antigene wie Virusinfekte erlebt hat. Bei etwa zwanzig Prozent der Lymphome wissen wir ganz sicher, dass sie auf diese Art entstehen.

Bei den anderen achtzig Prozent vermuten wir es, können es aber zum heutigen Zeitpunkt noch nicht genau sagen. Sicher ist jedoch, dass Mutationen in diesen Zellen stattfinden und so genetische Veränderungen entstehen.

Stichwort Hodgkin: Was hat es damit auf sich?

Das Hodgkin-Lymphom was das erste Lymphom, das entdeckt wurde. Pikanterweise ist aber gerade das Hodgkin-Lymphom das seltenste. Und doch werden alle anderen als Non-Hodgkin-Lymphome bezeichnet. Alle gehören aber in dieselbe Gruppe der lymphatischen Erkrankungen, das Hodgkin-Lymphom hat jedoch eine Besonderheit - es tritt im Gegensatz zu den anderen Formen vor allem bei jüngeren Leuten im Jugendlichen- und frühen Erwachsenenalter auf.

Und es ist die Erkrankung, die wir am besten heilen können. Wir rechnen mit Heilungsraten von achtzig Prozent aufwärts.

Gibt es noch andere Risikogruppen, die eher Lymphome bekommen?

Menschen, die unter chronischen Infektionen leiden, gegen die es keine Therapie gibt. Früher war das etwa Hepatitis C. Auch zählen da chronische Virusinfektionen der Herpes-Klasse dazu. Und dann gibt es die Gruppe PatientInnen, die eine Verschlechterung des Immunsystems erfahren. Etwa nach Transplantationen oder bei einer Autoimmunkrankheit, wo das Immunsystem gebremst wird. Da gehören auch HIV-PatientInnen dazu.

Sind Lymphome eigentlich gut behandelbar?

Der Morbus Hodgkin lässt sich sehr gut behandeln. Bei den anderen Lymphomen gibt es zwei Gruppen – die sogenannten B- und T-Zell-Lymphome. Die T-Zell-Lymphome sind in den meisten Fällen nicht so gut behandelbar. Sie sind oft langsam wachsend und nicht so gefährlich, wir sagen indolent.

Das hat den Vorteil, dass PatientInnen eine Lebenserwartung von etwa zehn Jahren haben. Heilbar ist das aber nicht. Die andere Gruppe sind aggressive Lymphome, die bei Nicht-Behandlung nach nur einigen Monaten zum Tod führen. Die haben aber den Vorteil, dass sie recht gut behandelbar sind, da sich die Zellen schnell teilen.

Mit Chemo- und Immuntherapien sind diese aggressiven Formen gut in den Griff zu bekommen, die Heilungschancen liegen bei etwa fünfzig Prozent. Aber grundsätzlich lässt sich sagen, dass von Seiten der Medizin noch großer Aufholbedarf besteht.

Kommen wir noch kurz auf die „chronisch lymphatische Leukämie“ zu sprechen …

Das ist das häufigste Non-Hodgkin-Lymphom, das sich vorwiegend im Knochenmark und im Blut abspielt. Dadurch wird es als Leukämie bezeichnet, es gehört aber zu den indolenten Lymphomen. Bei einem Drittel der PatientInnen wird es nur beobachtet, eine Therapie ist gar nicht nötig.

Bei den anderen Patienten braucht man eine Therapie. Bis vor drei oder vier Jahren gab es da nur Chemo- und Antikörpertherapie. Jetzt gibt es aber auch Inhibitoren, die man schlucken kann. Vielleicht können wir uns in einigen Jahren die Chemotherapie ganz sparen.