Was hat sich in den letzten Jahren auf dem Gebiet des metastasierten Nierenzellkarzinom getan?

Die Entwicklung bei diesem Thema war in den letzten zehn Jahren sehr groß. Vor 2006 war so ein Tumor nur sehr schlecht bzw. in den meisten Fällen eigentlich gar nicht behandelbar. Denn ein Nierenzellkarzinom ist unempfindlich gegenüber Chemo- oder Strahlentherapie. Daher konnten wir ausschließlich immunstimulierende Medikamente verwenden, die aber in den meisten Fällen eine sehr bescheidene Wirkung gezeigt haben.

Bei nur etwa 15 Prozent der PatientInnen konnte ein Schrumpfen des Tumors bzw. der Metastasen beobachtet werden, die mediane Zeit bis zum weiteren Fortschreiten der Erkrankung lag bei fünf Monaten. Das mediane Gesamtüberleben etwa bei 15 Monaten ab der Diagnose der Metastasierung.

Das hat sich in den letzten Jahren deutlich verbessert?

Genau. Durch ein besseres Verständnis von der Entstehung des Nierenzellkarzinom konnten neue Therapien entwickelt werden, die auf bestimmte molekulare Mechanismen abzielen, die mit der Sauerstoffversorgung des Tumors zu tun haben. Und seit 2006 sind jetzt neue Medikamente im Einsatz, die dem Tumor Blutgefäße entziehen und ihm so den Sauerstoff nehmen.

Kommt der Tumor in eine solche Sauerstoffarmut, leiten die Tumorzellen eine Art Selbstmordprogramm ein. Die Entdeckung dieser Substanzen hat einen erheblichen Durchbruch gebracht.

Diese Therapien gehören zu der Substanzklasse der TKI ("Tyrosinkinase Inhibitoren")?

Ja, diese TKI genannten Medikamente sind starke Hemmer der Wachstumsfaktoren für Blutgefäße des Tumors. Wenn man den Vergleich mit der früheren Immuntherapie wagt, stellt man fest, dass diese TKIs bei der Erstlinientherapie bei 47 Prozent der PatientInnen eine Verkleinerung der Metastasen bewirken. Bei der Immuntherapie waren es, wie schon erwähnt, lediglich 15 Prozent.

Die Zeit des weiteren Fortschreitens der Erkrankung hat sich von fünf auf elf Monate verbessert. Das mediane Gesamtüberleben von damals 15 Monaten auf über 26 Monate. Wobei diese Überlebenszahlen immer besser werden, weil wir lernen, diese Medikamente immer optimaler einzusetzen. Aber auch durch Nachfolgetherapien steigen die Lebenserwartung und die Lebensqualität stark an.

Das klingt ja vielversprechend. Ist also alles super mit den TKIs?

Leider nicht. Denn das Nierenzellkarzinom ist nur knappe 11 Monate für die Therapie empfänglich. Danach tritt meist eine Resistenz auf. In den letzten Jahren haben sich Wissenschaftler auf der ganzen Welt stark damit beschäftigt, woran das liegt. Dabei haben wir erkannt, dass nach dieser Zeit andere Signalwege wirksam werden.

Der Tumor ist unter Stress in der Lage, sich neue Wege und andere Möglichkeiten zu suchen, an Blutgefäße heranzukommen und so weiterhin mit Nährstoffen versorgt zu werden. Diese Wege konnten aber identifiziert werden und mittlerweile finden maßgeschneiderte Therapien Einzug in den medizinischen Alltag, die genau dieses Problem angehen und das Überleben noch einmal verlängern können.

Ganz neu setzen wir beispielsweise andere TKI’s ein, die diesen vormals nicht so gut bekannten Signalweg hemmen und bei Auftreten von Resistenz wieder wirken. Auch eine neue Form der Immuntherapie wird erfolgreich eingesetzt, die mit Antikörpern die Immunantwort des Körpers wieder herstellen kann und hochwirksam gegen den Tumor ist.

Können bei einer solchen Therapie auch Nebenwirkungen auftreten?

Diese neuen TKIs sind sicherlich nicht frei von Nebenwirkungen. Als Arzt sollte man gut damit umgehen können und wissen, welchem Patienten man welches Präparat gibt. Ein Nierenzellkarzinom gehört meiner Ansicht nach in einem großen Zentrum behandelt, da diese Form des Tumors relativ selten auftritt. Und wenn ein Arzt nicht häufig damit zu tun hat, wird er auch nicht die notwendige Erfahrung haben, die Medikamente optimal einzusetzen.

Erlauben Sie uns einen kurzen Blick in die Zukunft: Wo sehen Sie die größten Fortschritte für PatientInnen?

Ich glaube, dass das Überleben noch deutlich verlängert werden wird. Die Kombination aus TKIs mit den Immuntherapien zeigt enorme Verbesserungen bei der Überlebensrate.

 

PP-INL-AUT-0025/10.2016
Pfizer Corporation Austria Ges.m.b.H.,Wien