„Bei den HP-Viren gibt es jede Menge Serotypen. Die Wissenschaft nimmt an, dass es über 200 unterschiedliche HP-Viren gibt. Es sind bis dato nur die wenigsten davon erforscht, einige haben es aber bereits zu trauriger Berühmtheit gebracht“, erklärt Univ.-Prof. Dr. Dietmar Thurnher, Klinikvorstand der allgemeinen HNO der MedUni Graz.

HP-Viren

In der Gynäkologie sind manche Stämme der HP-Viren schon lange dafür bekannt, Krebs auslösen zu können. „Insbesondere HPV 16 und HPV 18 sind in hohem Maße verantwortlich für den gefürchteten Gebärmutterhalskrebs.

Aber auch im HNO-Bereich werden HP-Viren immer häufiger als Tumorerreger erkannt. Die HP-Viren werden in zwei unterschiedliche Arten eingeteilt. Bei den sogenannten Low-Risk-Viren ist die Wahrscheinlichkeit, dass aus der Schleimhaut ein Karzinom wird, eher gering. Bei den High-Risk-Viren hingegen ist die Wahrscheinlichkeit sehr hoch, bei häufigem Kontakt an einem Karzinom zu erkranken.

HP-Viren im HNO-Bereich

Aber nicht nur Frauen sind einer Gefahr durch HP-Viren ausgesetzt, auch Männer kann es treffen. Bei Männern äußert es sich in Tumoren im HNO-Bereich. Dazu Prof. Thurnher: „Ganz detailliert weiß die Wissenschaft noch nicht, wie es dazu kommt. Aber als größter Risikofaktor gilt der ungeschützte Oralverkehr.

Sprich auf dem gleichen Weg, wie sie zur Gebärmutter kommen, kommen die HP-Viren auch in den Rachen.“ Laut dem Experten dürfte ab acht bis zehn Lifetime-Partnern die Chance steigen, mit HP-Viren angesteckt zu werden. Immer unter der Voraussetzung, dass die Partner HPV-positiv waren oder sind. HPV kann man zwar bekommen, aber im Gegensatz zu anderen Viren kann man es auch wieder verlieren.

Rachenkarzinom – gleich und doch anders

Die Möglichkeit eines HPV-bedingten Rachentumors erweitert den Kreis der Gefährdeten deutlich. Früher war der typische HNO-Tumorpatient Mitte 60, zu 80 Prozent männlich und ein starker Raucher mit Alkoholproblem. „Nun tauchen aber plötzlich junge, dynamische Nichtraucher auf, die wenig bis gar keinen Alkohol trinken und als HPV-Positive trotzdem am gleichen Rachenkarzinom erkranken.

Man kann davon ausgehen, dass in der westlichen Welt 50 Prozent der Mandelkarzinome HPV-assoziiert sind.“ Aber es gibt auch eine gute Nachricht.

"Beschwerden beim Schlucken oder wochenlange Heiserkeit sollten nicht auf die lange Bank geschoben werden. Nehmen SIe solche Beschwerden ernst und gehen Sie zum HNO-Arzt!"

Die Prognose und damit die Heilungschance sind bei HPV-induzierten Rachenkarzinomen deutlich besser als bei solchen, die durch Rauchen und Alkohol ausgelöst werden. „Das spannende ist, dass es in beiden Fällen zwar histologisch das gleiche Karzinom ist. Aber der molekulare Entstehungsweg ist anders. Und daher reagieren sie in einer hochsignifikanten Art und Weise unterschiedlich auf Bestrahlung“, weiß Prof. Thurnher zu berichten.

Behandeln und vorbeugen

Grundsätzlich ist die Behandlung von Rachenkarzinomen aber die gleiche. Sofern operabel, wird natürlich operiert. Als Nachbehandlung wird meist eine Strahlen- oder Strahlenchemotherapie eingesetzt. Sind sie aber zu groß und dadurch funktionell nicht operabel, wird auf eine höher dosierte Strahlen-Chemotherapie zurückgegriffen.

In jedem Fall sprechen HPV-indizierte Rachenkarzinome deutlich besser auf die Behandlung an, die Langzeit-Überlebenschancen sind sehr viel höher. Macht es also Sinn, vorzubeugen und ist das überhaupt möglich? „Einer Infektion durch HP-Viren lässt sich  schwer vorbeugen.

Aber alle, die keinen ungeschützten Oralverkehr betreiben, haben eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit, einem HPV zu begegnen. Eine Ansteckung erfolgt über Geschlechtskontakt, nicht über einen Kuss beispielsweise“, stellt Prof. Thurnher unmissverständlich klar. „Zum Thema Tests auf HPV ist zu sagen, dass es keinen Sinn macht, einen Test zu machen, solange man klinisch keine Veränderungen in der Mundhöhle hat. Viel wichtiger ist, bestimmte Symptome ernst zu nehmen. Bin ich mehrere Wochen oder gar Monate heiser oder habe ich Schluckbeschwerden, dann ab zum HNO-Arzt.“ 

Impfung gegen HPV

Seit dem Jahr 2014 geht Österreich einen Vorzeigeweg bei der HPV-Bekämpfung. Im neunten Lebensjahr werden alle Schüler gratis gegen HPV geimpft. Und das wird sicher Langzeitfolgen auf diese Erkrankung bzw. auf dessen Ausrottung haben. Doch die Impfung empfiehlt sich nur für junge Menschen vor der Geschlechtsreife. „Impfungen vor bereits Erkrankten haben nichts mehr gebracht. Die größte Wirksamkeit der Impfung ist vor der Pubertät gegeben.