Die Oberbegriff Hämatoonkologie umfasst die Hämatologie (Lehre von den Blutkrankheiten) und die Onkologie (Lehre vom Krebs). Die Hämatoonkologie ist demnach das Fachgebiet der Inneren Medizin, das sich mit Diagnose und Behandlung einer Vielzahl bösartiger Erkrankungen beschäftigt, darunter solide Krebstumore ebenso wie Blutkrebs. Mit Blutkrebs (Leukämie) sind Erkrankungen des blutbildenden und lymphatischen Systems gemeint.

Schleichender Krebsverlauf: Multiples Myelom

Eine seltene und unheilbare Erkrankung des blutbildenden Systems ist das Multiple Myelom, ein Knochenmarkkrebs. Etwa 300 Österreicher sterben jährlich daran. Die Erkrankung tritt meist im höheren Alter auf, häufiger bei Männern als bei Frauen. Betroffene fühlen sich abgeschlagen, müde, sind auffallend blass und haben Atemnot: Symptome, deren Ursache die entstehende Blutarmut (Anämie) ist – die aber auch anderen Krankheiten zugeschrieben werden könnten. Die Anämie ist im Falle des Multiplen Myeloms Folge des Blut und Knochen zerstörenden Krebses. Der Verlauf dessen ist kaum zu prognostizieren; erschwerend kommen Resistenzen gegen derzeit verfügbare Chemotherapeutika hinzu. Anfangs arbeiten die Nieren vielleicht nicht mehr einwandfrei, dann folgen möglicherweise neurologische Ausfälle. Kurz: Das Ganze beginnt schleichend und sehr unspezifisch – ein Grund, warum das Multiple Myelom oft erst dann diagnostiziert wird, wenn die Überlebenszeit von im Schnitt acht bis zwölf Jahren fast um ist. Allerdings, so sagen die Experten, sei das Multiple Myelom sehr gut kontrollierbar, wenn es erkannt wird.

Personalisierte Behandlung von Krebs – das ist die Zukunft

Es gibt zwar keine Heilung, aber wirksame Medikamente zur Behandlung der Krankheit. Ziel aktueller Forschung, auch österreichischer, ist es, neue und bessere Wirkstoffe zu finden. Die wissenschaftliche Suche danach läuft parallel zu einer hierzulande schon seit einigen Jahren erfolgreich angewendeten Strategie, die vom Multiplen Myelom betroffenen Patienten maßgeschneidert und ganzheitlich zu behandeln (personalisierte Krebsmedizin).
Es komme dabei zum einen darauf an, für die inzwischen bekannten acht, neun Varianten des chronischen Multiplen Myeloms das jeweils passende Medikament zu entwickeln. Zum anderen schlug die eingesetzte Medizin bei dem einen Patienten bisher an wie erhofft, bei dem anderen nicht. Warum das so ist und wie man testen kann, welche Substanz die beste ist, um den Patienten wirksam zu behandeln – das seien Forschungsziele, an denen man derzeit arbeite. Gesucht würden dafür beispielsweise Biomarker, die den Zusammenhang zwischen dem Verlauf der Krankheit und der Umgebung der Krebszellen erklären. Das könnte helfen, künftig Resistenzen gegen die Medikamente auszuschließen: Neue Medizin würde nicht gegen die Tumorzelle wirken, sondern auf deren Interaktion mit der Umgebung. Auch die Interaktion zwischen Patient und Arzt sei heute Gegenstand von Forschung und Entwicklung. So soll eine App helfen, alltägliche Befindlichkeiten an den Arzt zu leiten, sodass dieser die Wirksamkeit der Therapie stets im Auge habe und - wenn nötig - frühzeitig ändern könne.

Fazit

Zum Standard der Krebstherapie soll künftig werden, dass es keine standardisierte Behandlung von Krebs gibt. Schließlich gibt es weder den Standardpatienten noch den Standardkrebs.

 

Leukämie in Österreich
Im Jahr 2011 erhielten 1.050 Österreicher die Diagnose Leukämie. Davon waren 595 Männer und 455 Frauen. Im selben Jahr starben 758 an Leukämie erkrankte Österreicher, davon 400 Männer und 358 Frauen.


Der menschliche Körper ersetzt ständig alte Zellen mit neuen. Und zwar 1:1, es gibt keine Überproduktion. Wer an Leukämie erkrankt, leidet an einer unkontrollierten Zellbildung: Im Knochenmark teilen sich die Zellen nicht mehr nach einem Plan, demzufolge genau die Zahl benötigter Blutplättchen aus den Stammzellen gebildet wird, sondern die Zellen teilen sich ungehemmt und reifen darüber hinaus nicht richtig aus. So verdrängen unreife Leukämiezellen zunehmend gesunde Zellen.


Gängigste Therapie einer Leukämie ist die Chemotherapie. Sie kann je nach Erkrankungsbild mit einer Strahlenbehandlung, einer Behandlung mit hormonähnlichen Stoffen, Antikörpern oder einer Stammzellen- beziehungsweise Knochenmarktransplantation kombiniert werden.


Quelle: Statistik Austria