Die beiden BRCA-Gene BRCA1 und BRCA2 gehören zu der Gruppe von Tumorsuppressoren, welche die Vermehrung von geschädigten Zellen unterdrücken. Eine Mutation dieser Gene kann wesentlich zur Entstehung eines Ovarialkarzinoms beitragen.

Welche Formen der BRCA-Mutationen gibt es?
Wir unterscheiden zwischen zwei Formen der Mutationen. Eine angeborene BRCA-Mutation wird auch Keimbahn-Mutation genannt, die vererbt wird. Es gibt aber auch Ovarialkarzinome, wo diese Mutation erst im Eierstock passiert, eine sogenannte somatische Mutation.
Heute wissen wir, dass bei einem Ovarialkarzinom die BRCA-Mutation eine wesentlich größere Rolle spielt als bisher angenommen – sowohl bei der Keimbahn- als auch somatischen Mutationen. Eine Mutation bewirkt eine Störung der homologen Rekombination und behindert dadurch die Reparatur in der DNA. Durch diese Formen der Mutation entstehen Tumore mit einer sehr hohen genetischen Instabilität. Jedoch haben Tumore mit einer BRCA-Mutation eine bessere Prognose, weil diese sehr gut auf Therapien ansprechen, insbesondere auf eine platinhaltige Chemotherapie.

Welche unklaren Beschwerden können auf ein Ovarialkarzinom deuten?
Auch wenn keine wirklich eindeutigen Symptome zu nennen sind, so können unspezifische Beschwerden wie Verdauungsstörungen, Blähungen oder Zunahme des Bauchumfangs erste Warnzeichen sein. Dauern diese Beschwerden über mehrere Monate hinweg, sollten diese Anzeichen nicht bagatellisiert, sondern ein Arzt aufgesucht werden.

Wie wirkt sich eine Frühdiagnose auf die Überlebensrate aus?
Leider gibt es derzeit keine wirkliche Möglichkeit dazu, denn die Verfahren wie Tumormarkeruntersuchung oder auch Ultraschall garantieren keine frühe Krebserkennung. Deswegen wird das Ovarialkarzinom auch Stiller Killer genannt, da sich der Tumor mit wenigen und vor allem sehr unspezifischen Symptomen entwickelt und lange unentdeckt bleibt.
Insbesondere bei Frauen mit einer hohen erblichen Belastung ist es zu wenig, sich auf eine mögliche Frühdiagnose zu verlassen, weswegen andere Methoden angewandt werden sollten. Letztlich bieten wir bei Frauen mit erblicher Vorbelastung eine prophylaktische Entfernung – nach abgeschlossener Familienplanung – der Eierstöcke sowie der Eileiter an, um eine Erkrankung zu verhindern. Dadurch dass die Krankheit meistens in den Eileitern selbst entsteht, ist eine Entfernung ebenfalls notwendig. Angelina Jolie hatte dafür durch ihren vorsorglichen Eingriff eine bestimmte Vorbildwirkung, um Betroffenen die Angst zu nehmen, keine richtige Frau mehr zu sein.

Welche Frauen gelten als Risikogruppen?
Neben dem Alter spielen auch andere Faktoren in der Entstehung mit. Frauen mit einer erblichen Vorbelastung tragen ein wesentlich höheres Risiko, an einem Ovarialkarzinom zu erkranken. Ein weiterer Faktor ist die Anzahl der Eisprünge in den fruchtbaren Jahren, denn je weniger Eisprünge sie hat, desto geringer ist die Wahrscheinlichkeit an einem Ovarialkarzinom zu erkranken. Schwangerschaften, lange Stillzeiten oder auch die Einnahme der Anti-Babypille verringern die Zahl der Eisprünge.

Wie verläuft die Behandlung bei einem Ovarialkarzinom und wie wird die BRCA-Mutation dabei berücksichtigt?
An erster Stelle steht in der Behandlung die radikale Entfernung des Tumors aus der Bauchhöhle der Patientin im Rahmen einer interdisziplinären Operation. Dieser Eingriff ist ganz entscheidend für die Prognose und auch den weiteren Behandlungsverlauf. Im optimalen Fall haben wir zwar den sichtbaren Krebs entfernt, aber wir wissen, dass noch Krebszellen vorhanden sein können. Das entfernte Krebsgewebe wird nach der Operation genauestens untersucht, denn der Tumor liefert wichtige Informationen, die für die Fertigung einer maßgeschneiderten Therapie herangezogen werden.
In den meisten Fällen wird eine Chemotherapie in Kombination mit einem spezialisierten Antikörper vorgenommen, welcher die Krebszellen hindert, sich zu ernähren und dadurch nicht mehr zu. Seit kurzem steht uns in der Behandlung ein neues Medikament zur Verfügung, das bei Patientinnen mit einer BRCA-Mutation – entweder angeboren oder somatisch – dramatische Erfolge erzielt. Bei Tumoren mit diesen Gendefekten ist diese Behandlung eine große Errungenschaft in der Medizin. ■