Prim. Univ.-Prof. Dr. Christian Dittrich
Leiter, Ludwig Boltzmann Institut für Angewandte Krebsforschung – LB Cluster Translational Oncology

Darmkrebs zählt zu den am besten erforschten Krebsarten beim Menschen. Man weiß heute, dass rund 90 Prozent der Darmkrebserkrankungen sich aus zunächst gutartigen Darmpolypen entwickeln. Diese Entartung vom Darmpolyp zum Karzinom kann etwa zehn Jahre dauern. Ursache dafür sind aufeinander folgende Genveränderungen an den Schleimhautzellen der Darmwand. Sie führen schließlich zum Verlust der natürlichen Wachstumskontrolle der Zellen so dass diese sich als Krebszellen bösartig und zerstörerisch ausbreiten können. 

Aber wo liegen die Ursachen? „Dickdarmkrebs geht bei fünf bis zehn Prozent der Betroffenen auf eine erbliche, das heißt genetisch bedingte Disposition zurück. Bei den übrigen 90 bis 95 Prozent liegen die Veränderungen zwar auch in den Genen, werden jedoch erst im Laufe des eigenen Lebens erworben“, so der onkologische Experte Christian Dittrich. 

 

Vorsorge ist wichtig... 

Die Entstehung von Darmkrebs lässt sich zwar nicht wirklich verhindern, aber Information und Wissen können helfen – so ist der beste Weg die Vorsorge meint Dittrich, denn: „Bestimmte Ernährungsformen sowie Lebensgewohnheiten werden mit dem häufigeren Auftreten von Darmkrebs assoziiert gefunden, wie die vermehrte Aufnahme von tierischem Fett sowie von Kost reich an rotem Fleisch und Bewegungsmangel. Die Hypothese der Reduktion des Darmkrebsrisikos durch schlackenreiche Kost erwies sich als wissenschaftlich nicht aufrecht erhaltbar. Der aktuelle Wissensstand rechtfertigt derzeit keine einseitigen Ernährungsempfehlungen, noch Empfehlungen zur Einnahme von Medikamenten oder Nahrungszusatzstoffen wie Vitaminen als sogenannte Chemopräventiva“.

 

... alle zehn Jahre

Zumal sich Dickdarmkrebs über Vorstufen in Form von Adenomen, also nicht bösartig entarteten Gewebswucherungen, entwickelt, kann durch frühzeitige Abtragung derartiger gutartiger Tumoren deren Entwicklung in ein invasives Karzinom verhindert werden, weiß der Arzt. Daher eignet sich die Darmspiegelung auch bei Personen, die keine Beschwerden haben – und zwar sowohl zum Ausschluss des Vorliegens einer Darmkrebserkrankung als auch bei Vorliegen von Schleimhautwucherungen, so genannten Polypen, zur prophylaktischen Therapie. Dazu ist die Darmspiegelung als Vorsorgemaßnahme zwischen dem 50. und dem 75. Lebensjahr alle zehn Jahre als primäre Screening-Methode zu empfehlen. Alternativ kann der Stuhl bei Beschwerdefreiheit regelmäßig alle Jahre auf nicht mit freiem Auge erkennbares Blut mit sensitiver Testmethode untersucht werden.                                                                 

 

Sehr gute Heilungschancen im Frühstadium

Während die Chance auf Heilung nach operativer Sanierung der frühen Stadien (ohne Lymphknotenbefall), sehr hoch liegt (je nach Stadium bis 95 Prozent), überlebt nur jeder zweite Patient mit Lymphknotenbefall fünf Jahre. Dittrich: „Ohne Therapie würden nur etwa fünf Prozent aller Patienten mit Metastasen diesen Zeitraum erleben. Die Heilungschancen wurden insbesondere in den Stadien mit Lymphknotenbefall durch postoperative Anwendung spezieller Chemotherapie substanziell, etwa um 20 Prozent angehoben“. 

 

Neu: Personalisierte Therapieform

Der Einsatz von monoklonalen Antikörpern gegen den EGFR (ein spezielles Protein, Anm.) bei Darmkrebs stellt ein Musterbeispiel für eine Therapieselektion auf der Basis von Tumorzellcharakteristika dar. Durch die molekular-pathologische Bestimmung des Nicht-Vorliegens einer bestimmten Gen-Mutation wird erst der Einsatz der EGFR hemmenden monoklonalen Antikörper festgelegt. Diese Vorgangsweise kann auch als Ansatz einer so genannten personalisierten oder maßgeschneiderten Therapie gesehen werden.