Univ.-Prof. Dr. Christian Singer
Leiter des Zentrums für erblichen Brust- und Eierstockkrebs, AKH Wien

Was versteht man unter erblichen Brustkrebs?

Bei bis zu 10 Prozent aller an Krebs erkrankter Frauen beruht die Erkrankung auf angeborenen Mutationen bestimmter Gene, vor allem der Gene BRCA 1 und 2. Diese Mutationen können mit einer Wahrscheinlichkeit von 50 Prozent weitervererbt werden. Mehr als 85 Prozent der Betroffenen erkranken im Laufe ihres Lebens an Brustkrebs.

Welche Therapiemöglichkeiten bestehen? 

Erst beim Auftreten einer Krebserkrankung kann eine Therapie durchgeführt werden, die sich nicht von einer herkömmlichen Krebsbehandlung unterscheidet. Allerdings sprechen BRCA-bedingte Krebsformen scheinbar besonders gut auf platinhaltige Chemotherapien an, dies wird derzeit in klinischen Studien genauer untersucht. In Österreich wird Frauen mit erblichem Krebsrisiko die Teilnahme an einem maßgeschneiderten Früherkennungsprogramm angeboten. Damit können neu auftretende Fälle mit einer hohen Sicherheit erkannt und früh behandelt werden. 

Kann man noch auf anderen Wegen vorbeugen?

Medikamentöse Vorbeugungsmaßnahmen können nach heutigem Wissensstand nicht uneingeschränkt empfohlen werden. Viele Frauen mit einer BRCA-Mutation unterziehen sich einer vorbeugenden Entfernung des Brustdrüsengewebes, was das Krebsrisiko um mehr als 95 Prozent reduziert. Die vorbeugende Entfernung von Eileitern und Eierstöcken ist ebenfalls möglich und senkt nicht nur das Eierstockkrebs-Risiko deutlich, sondern führt auch zu einer Halbierung des Brustkrebs-Risikos.